Ein Weihnachtskleid im Januar

Ich habe es versprochen, euch noch Bilder meines allerersten Weihnachtskleides nachzuliefern, nachdem ich es nicht mehr rechtzeitig zum Weihnachtskleid-Sewalong-Finale vorzeigen konnte. Und hier sind sie, sogar noch mit Weihnachtsbaum, rustikal in Szene gesetzt, ehe die Müllabfuhr die letzten Nadeln eingesammelt hat.

Viele Worte zum Kleid brauche ich eigentlich nicht mehr verlieren, den Entstehungsprozess könnt ihr hier nachlesen, der Schnitt stammt aus der Burdastyle.

Aber ein kleines Fazit möchte ich doch noch ziehen:

  • Stoff und Schnitt passen eigentlich überhaupt nicht zusammen: der Stoff ist so dünn, dass er eigentlich hätte unterfüttert werden müssen, was beim Schnitt aber nicht vorgesehen (und mir zu umständlich) war.
  • Die Rückseite ist grandios gescheitert: das asymmetrische Rockunterteil verträgt sich nicht mit den Karos und ich hatte nicht genug Stoff, um das Riesenteil wenigstens so zuzuschneiden, dass Ober- und Unterteil unauffällig aufeinandertreffen. Beste Lösung wäre es gewesen, die Rückseite vertikal in einem Stück zuzuschneiden, ohne die schräge Trennung.
  • Ob die Raffung jetzt richtig/optimal sitzt, ich weiß es nicht: ich habe die entsprechende Stelle, wo der Riegel an der Seite eingezogen wird ungefähr dreimal getrennt, das Drappé-Detail mal strammer, mal weniger stramm gezogen. Jetzt lasse ich es einfach so.
  • Ich muss dringend lernen, Schnitte auf meine Figur anzupassen. So richtig, richtig gut haben die selbstgenähten Teile bislang leider nie gesessen – und bei diesem vertrackten Schnitt wüsste ich im Nachhinein auch gar nicht, wo ich was anpassen sollte, um die Passform zu verbessern.
  • Who cares: irgendwie gefällt mir das Teil ja doch. Und vielleicht lässt es sich sogar als Sommerkleid umfunktionieren – dünn genug ist es ja.

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So, nun wird das gute Stück noch zum MeMadeMittwoch geschickt. Da ist heute das Motto „Meine Lieblingskleidung in 2015“ – und da ich für mich selbst im vergangenen Jahr tatsächlich nur das Weihnachtskleid genäht habe, passt es da ganz prima rein. 🙂

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Und was war mit dem Weihnachtskleid?

… Das ist tatsächlich (fast) fertig geworden.

Aber erstmal ein wunderschönes Neues, euch allen!

Dass es zu Jahresende so still hier im Blog wurde und ich mich gar nicht zum letzten Termin des Weihnachtskleid-Sewalongs zu Wort und Bild gemeldet habe, lag an einer verdammt stressigen Vorweihnachtswoche, in der ein kränkelndes Sohnemännchen die dicht getaktete To-Do-Liste entgültig über den Haufen geworfen hat.

Trotzdem habe ich es aber noch irgendwie geschafft, das Weihnachtskleid noch einigermaßen fertigzustellen. Nicht zum 20.12., aber so, dass ich es Heiligabend unterm Baum tragen konnte – zwar ungesäumt, aber das hat eh nur der Liebste gesehen, Sohnemanns Aufmerksamkeit war restlos von seiner neuen Spielküche in Beschlag genommen. Vor lauter trauter Familienglückseligkeit im Kerzenlichte habe ich ganz vergessen Fotos zu machen (oder machen zu lassen) und dann waren wir auch schon auf und davon im (grünen) Winterurlaub.

Der tapfer vor sich hinnadelnde Weihnachtsbaum hat uns zuhause wieder begrüßt und darf die Tage dann noch als Kulisse für nachträgliche Weihnachtskleid-Fotos herhalten. Und dann kriegt ihr auch gleich noch Bilder von Sohnemanns Weihnachtshose und ein paar DIY-Geschenken nachgeliefert.

Bis dahin, lebt euch gut ein in 2016!

Gesucht. Gefunden?

Es gibt ja viele schöne Nebeneffekte des Bloggens: Andere tolle Blogs entdecken natürlich. Sich beim Durchklicken von Linkpartys im Dickicht der Anregungen zu verlieren und hier ein Schnittmuster, da eine Strickanleitung, dort eine tolle Stoffbezugsquelle zu pflücken und abzuspeichern. Habe ich damit einmal angefangen, habe ich bald mindestens zehn offene Tabs im Browser.

Weniger zeitauwendig aber sehr amüsant ist aber auch die Betrachtung der eigenen Blogstatistik. Nachdem ich neulich mal wieder ein kleines Blogcomeback gestartet hatte, habe ich natürlich auch einen Blick auf die Statistik geworfen. Und mich dabei zum einen darüber gewundert, wie regelmäßig die Seite auch in Zeiten völliger Blogstille besucht wird. Und zum anderen wieder erinnert, dass ich längst schon mal etwas über die besten Suchanfragen posten wollte, über die Menschen von den Suchmaschinen auf meine Seite gelotst werden. Zu gerne wüsste ich ja, welche Schätze sich unter den mehr als 3000 „unbekannten Suchbegriffen“ finden, die an erster Stelle in der Suchbegriffsstatistik stehen. Aber auch unter jenen, die sich mir offenbaren, finden sich genug Schmankerln.

Sehr häufig führen Suchen nach Babydecken-Strickmustern auf meine Seite oder der Wunsch, etwas für Männer zu nähen (obwohl ich ja gerade das selbst viel zu selten tue …). Manchmal suchen Suchende nach Beispielen für bestimmte Schnittmuster/E-Books, die ich auch verwendet habe und immer mal wieder möchte auch mal jemand wissen, was es noch mal mit diesem Heide Fuljahn Shitstorm auf sich hatte. Soweit, so wenig überraschend.

Aber dann gibt es diese Anfragen, bei denen ich doch ZU gerne wissen möchte, ob die Suchenden bei mir tatsächlich fanden, was sie zu finden hofften. Allen voran die erstaunlich große Gruppe der Strumpfhosen-Fetischisten (die nach diesem Blogpost jetzt erst recht zu Scharen hier auflaufen werden, Hilfe!):

  1. ich in strumpfhosen
  2. im winter strumpfhosen ja oder nein
  3. zu hause mit windeln und strumpfhosen
  4. windel und strumpfhosen spaß in russland (Leute, ihr macht mir ein bisschen Angst. Aber wenn’s euch Freude macht, schaut mal hier und hier)
  5. petra gute im abendkleid (Wer ist Petra Gute?)
  6. nähidien für dicke frauen (Tut mir leid, ich bin trotz großer Kuchenliebe ziemlich schlankgenormt. Aber es gibt da draußen viele, viele tolle Fatshionistas und Nähnerds, die sich fantastische Mode auf die Figur schneidern).
  7. stoff um hüfte (sage ich ja!)
  8. was muss man bei drops delight beachten wenn zweifädig gestrickt wird (muss man da was beachten? Hab ich nicht …)
  9. zweifädig bei drops delight wo beginnt man mit dem knäuel (da, wo der Faden beginnt?)
  10. gehäkelte rentiere anleitungen (Leute, ich häkele doch überhaupt nicht! Erst recht keine Rentiere!)
  11. http://www.taschengriffe deal fuchs (Ähm, wer genau soll jetzt die Taschengriffe haben? Der Fuchs? Oder der Deal?)
  12. 10 minuten jacke nähen (Wenn ich es schaffe, in 10 Minuten eine Jacke zu nähen, erhaltet ihr jeden Tag einen Blogpost. Mindestens. Versprochen!)
  13. hausfrauen kleinklein (Hey! Leute, die unbezahlte Arbeit abwerten, haben bei mir nix zu suchen!)
  14. nähen striken flucht feminismus (Wie jetzt: Nähen als Flucht? Feminismus auch auf der Flucht? Nähend in den Feminismus flüchten? Strike! ???)
  15. wie kommt man zu inspirationsquelle (Augen aufmachen! Oder hier klicken)
  16. umgarnt bist du erst schoen (Ach, ihr ollen Suchmaschinen-Poeten, bei mir gibt’s doch bloß gut abgehangene DIY-Wortspiele!)
  17. blog bester handarbeit (Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen … 😉 )

Und jetzt bin ich natürlich neugierig: Was suchen die Leute bei euch so? Treiben sich bei euch auch so viele Strumpfhosenfetischisten rum? Mit oder ohne Windel?

Schönes Wochenende!

Muttertag oder: Der Stoff, aus dem Erinnerungen sind

Es war spät gestern Abend, als Sohnemann Fieber bekam. Die Bäckchen glühten, mit warmen Händchen rieb er sich verwirrte, wässrige Augen, ehe er in einen unruhigen Schlaf voll hastiger Atemzüge und weinerlicher Seufzer fiel. Immer wieder trank er und unsere großen Hände legten ihm feuchte Wickel um die kleinen heißen Waden. Und es war früh am heutigen Morgen, als wir, von Sorgen des nachts wachgehalten, erleichtert die sinkende Temperatur seines ersten Fiebers maßen.

Es war spät gestern Abend vor einem Jahr, als meine Schwiegermutter zu sprechen aufhörte, ihren schmerzenden Kopf hielt, in einen unruhigen Schlaf fiel. Und es war früh am heutigen Morgen vor einem Jahr, als sie im Auto meines Schwagers, der sich von Sorge getrieben den Weg durch den Verkehr von Lagos bahnte, ihren letzten Atemzug tat.

Erster Muttertag. Erster Todestag.

Natürlich ist es Zufall. Und doch war es der erste Gedanke, der meinem Mann und mir heute morgen nach durchwachter Fiebernacht unabhängig voneinander kam – wie es sein kann, dass Sohnemann fiebert in ausgerechnet jener Nacht, in der seine Großmutter, wenige Wochen vor seiner Geburt, im vergangenen Jahr überraschend Abschied nahm und ihn großmutterlos in diese Welt kommen ließ, die seine andere Oma bereits 27 Jahre zuvor verlassen hatte.

So also hat mein erster Muttertag begonnen mit – Muttergefühlen: Mit Sorge um den kranken Sohn. Und mit dem liebevoll-wehmütigen Erinnern an zwei zu früh gegangene Mütter, von denen eine genau heute vor einem Jahr ging.

Dass ich diese Gedanken heute hier im Handarbeitsblog teile, hat auch damit zu tun, dass mein Stoffregal neuerdings Erinnerungen an meine Schwiegermutter weckt. Denn vom letzten Nigeria-Besuch hat mein Mann einen Koffer voller Stoffe mitgebracht.

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Einen Koffer voll Stoff, aus dem Erinnerungen sind: Buntgemusterte Waxprints, die seine Mutter zum Teil bereits getragen hat – als Wickeltuch um Hüfte und Kopf geschlungen oder zu weiten Röcken und Blusen vernäht. Vielleicht werden daraus nun Hemden für den Sohn oder Hosen für den Enkel, Röcke für die Schwiegertochter oder Kissen fürs Familienwohnzimmer.

Erinnerungen, die wir immer mit uns tragen.

Alles Gute zum Muttertag!

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(Die letzten drei Stoffe waren mit im Koffer, sind aber neu.)

White Style

Übers Wochenende ist mir die deutsche Ausgabe der finnischen Schnittzeitschrift „Ottobre Design Kids Fashion“ ins Haus geflattert. Schon öfter hatte ich am Zeitschriftenregal stehend mit ihr geliebäugelt, die Schnitte und Stoffe toll und abwechslungsreich gefunden und sie daher nun mal probehalber abonniert. Neben der aktuellen Ausgabe 1/2015 hatte ich mir noch eine 2014er-Ausgabe bestellt und so sehen die beiden aus:

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Und im Inneren entdecke ich unter anderem folgende Bilder:

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Vielleicht ist es Zufall. Vielleicht aber auch nicht, wenn man mal im Online-Angebot der Ottobre blättert. Fakt ist jedenfalls: Beide Titelbilder zeigen keine weißen Kinder.

Warum ich das so betone? Weil ich es erfreulich und der Vielfalt unserer Gesellschaft angemessen finde. Vor allem aber, weil ich den Eindruck habe, dass eine solche Titelseiten- und Fotostreckengestaltung hierzulande (leider) außergewöhnlich ist. Ich will gar nicht vom weißen Norm-Schönheitsideal sogenannter Frauenzeitschriften im allgemeinen sprechen – bei den DIY-Zeitschriften zu bleiben reicht mir schon voll und ganz.

Vielleicht habe ich bislang die falschen Schnittzeitschriften gelesen oder insgesamt zu wenige. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß: in rund zwei Jahren (2012-2014), in denen ich das in Deutschland wohl bekannteste Schnittmuster-Magazin „Burdastyle“ abonniert hatte, habe ich nicht ein einziges Mal People of Colour auf dem Titel gesehen. Und auch im Inneren der Zeitschrift habe ich fast vergeblich nach nicht-weißen Models gesucht. Gerade habe ich rein willkürlich rund ein dutzend Ausgaben aus dem Regal gezogen und durchgeschaut. Und von zwei schwarzen Models abgesehen, die jeweils in so einer Art „ganz normale Leute von der Straße präsentieren ihre Lieblingsmode“-Fotostrecken auftauchten (und von denen eins zufälligerweise das spätere Germany’s Next Topmodel Lovelyn ist …) tauchten die einzigen PoC dort auf, wo

a.) Leserinnen ihre selbstgemachten Modelle präsentierten (was schon mal zeigt, dass die Leserschaft der Burdastyle trotz allem nicht rein weiß ist!)

b.) Trends der internationalen Laufstege mit der Heftmode verglichen wurden (es ist schon recht bezeichnend, dass ausgerechnet dies die Seiten mit den meisten PoC, sprich: überhaupt welchen sind, bedenkt man, dass die Laufstege dieser Welt ja nun auch alles andere als ein Spiegel der vielfältigen Wirklichkeit sind…)

c.) sie als „exotisches“ Accessoire für weiße Models dienen.

Das klingt euch jetzt zu krass? Beispiel gefällig? Bitteschön (aus: Burdastyle 6/2012):

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Eine detaillierte Kritik könnte schon bei der Überschrift ansetzen (die einige Monate später exakt so über einer DIY-Fotostrecke zu Safari-Wildtier-gemusterten Wohnaccessoires steht, aber das nur am Rande …), denn einen Karen-Blixen-Buchtitel zu zitieren zeigt schon recht deutlich, dass es hier nur um eines geht: um weiße Menschen vor „afrikanischer“ Kulisse bzw. um eine weiße Sicht auf „Afrika“.

Auf diese Weise vorgewarnt macht es mich dann aber trotzdem sprachlos, wie dreist Schwarze Menschen hier darauf reduziert werden Kulisse oder Accessoire zu sein. Denn nein, Stoff und Schnittmuster der von Schwarzen Menschen getragenen Mode wird natürlich nicht benannt. Stattdessen geht es ausschließlich um die Safariwestenmode des blonden Models, die vor/neben Schwarzen Menschen in Szene gesetzt wird.

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Und diese (im Heft natürlich noch viel zahlreicheren) Schwarzen Kinder werden im Bildtext übrigens als „große Fangemeinde“ bezeichnet, derer sich die Chiffonbluse der weißen Frau erfreut … (zum Thema Schwarze Kinder als Kulisse für weiße Frauen immer wieder gut: dieser Text des Satireblogs The Onion).

So viel zu einem der offensichtlich rassistischen Beispiele, die mir beim Blättern so in die Hände gefallen sind. Was mir außerdem aufgefallen ist: Das in gefühlt jedem zweiten Heft mindestens eine Themenstrecke sich „Ethno“-Looks widmet, sprich: Stilelemente nicht-weißer/nicht-europäischer/nicht-westlicher Menschen aufgreift („inspiriert von Nomadenvölkern“) und diese – na? – genau: an weißen Models präsentiert. Betextet wird das dann wahlweise als „exotisch“, „exotisch“ oder „exotisch“ (teilweise fällt der Begriff sogar mehrfach innerhalb einer ohnehin nicht gerade textreichen Fotostrecke); Muster/Schnitte/Stile sind wie auf Knopfdruck „sinnlich“, „wild“ oder gleich „animalisch“, sie versprechen „Asia-Touch“ oder „Orient-Look“, „südliche Lässigkeit“, „Südsee-Feeling“ oder das „rassige“ Temperament „feuriger Sizilianerinnen“ oder klammern bestimmte Bevölkerungsgruppen aus, wenn sie von „optimistischen 50er“ Jahren in den USA sprechen (ich würde mal tippen, dass Afroamerikaner*innen dieses Jahrzent anders bezeichnen würden als die Mad Menesk gestylten weißen Models im Heft…) oder weiße Frauen samt Traumfängern und Lederfransen in den Native-American-freien Wilden Westen schicken. (Dass sich die Kosmetiktipps nur an Frauen richten, deren Hautton dem gleicht, was gemeinhin als „nude“ bezeichnet wird, tatsächlich aber nackte dunkle Haut ausklammert, ist dann nur noch ein Detail am Rande.)

Ich könnte weitere, weitere und weitere Beispiele nennen, aber ich ärgere mich schon so genug. Und als weiße Frau kann ich nur ahnen, wie es PoCs gehen muss, die sich beim Blick in solche Zeitschriften gar nicht oder nur auf exotisierende und rassistische Weise repräsentiert sehen.

Dass es anders geht, zeigt auf wohltuende Weise die „Ottobre“. Aber kann das alles sein? Gibt es noch weitere positive Beispiele von DIY-Zeitschriften da draußen, die nicht Weißsein als Normschönheitsideal vorgeben, sondern der Vielfalt unserer Gesellschaft Rechnung tragen? Und wenn nicht: wie können wir das ändern?

Ich freue mich auf eure Tipps, Erfahrungen, Diskussionsbeiträge!  (Worauf ich aber keine Lust habe: auf „das ist doch gar nicht rassistisch“-Kommentare von Menschen, die sich offensichtlich noch nicht damit beschäftigt haben, was Rassismus ist. Danke!)

Update, 30.1.: In einem Blogeintrag von 2013 fiel hier auch schon mal jemandem auf, wie weiß die Burdastyle ist.

Update 31.1.: Natürlich (Gottseidank!) bin ich nicht die erste, die sich diesem Thema widmet. Jenny hat schon 2012 einen super Text zum „BS & BS“ (Bullshit & Burdastyle) verfasst.

Handgemachte Vorsätze

Noch ist das neue Jahr frisch und neu, wenigstens ein bisschen. Und ehe es endgültig alt und abgehangen ist, setze ich mir hier noch fix ein paar handgemachte Vorsätze. (Verwerfen kann ich sie dann später immer noch … 😉 )

1. Let love be your energy! Auch mal was für meinen Mann nähen/stricken. Außer einem Loop (und einem nicht mehr vorzeigefähigen Strickschal) ist da in den letzten Jahren echt noch nicht viel abgefallen … und natürlich weiterhin ganz viel für den Sohnemann.

2. Mehr Muster! Die eigenen Fair Isle-Skillz verbessern (oder Norwegermuster oder wie auch immer man es nennen möchte). So ganz hab ich den Dreh noch nämlich noch nicht raus, wie man die mitlaufenden Fäden auf der Rückseite exakt so straff zieht, dass sich das Muster auf der Vorderseite optimal entfaltet, das Strickstück aber nicht verzieht. Bisherige Versuche siehe hier und hier. Tipps, anyone? Und kann diese Steek-Technik oder wie sie heißt da Abhilfe schaffen?

3. Detailtreue! Neue Anschlagtechniken lernen, elegantere Randmaschen stricken, schöner vernähen… – und verstehen, wie das eigentlich genau mit dem Spannen/Dämpfen von frisch entnadeltem Strickzeug funktioniert. Sofern überhaupt bemüht, hat meine „Technik“ diesbezüglich meist wenig bewirkt und Ränder (z.B. dieser Decke) rollen sich immer noch munter ein.

4. Platz schaffen zum ersten! Den Kurzwaren-Messi in mir ein wenig zügeln und auch mal Stoffe und Wolle aus den diversen Kisten, Körben, Schubladen und Taschen in den Untiefen unserer Wohnung verwenden und nicht umgehend durch neue Stoff- und Wollberge ersetzen. (Nur durch ganz besonders schöne, nötige… 😉 )

5. Platz schaffen zum zweiten! Falls wir bald mal eine neue Wohnung finden und falls wir dann den Platz haben: eine richtig schöne Handarbeitsecke einrichten. So richtig mit Garnrollenhalter an der Wand und schön gefalteten Stoffen im Regal und so. Statt mit Nähmaschine zwischen Laptop und Drucker auf dem Schreibtisch und Stoffzuschnitt auf dem Bett oder Wohnzimmerfußboden (träum weiter!).

6. Ego streicheln! Sprich: immer mal wieder nette Kleinigkeiten für mich selbst herstellen. Weniger kaufen. Die eigene Garderobe mit immer schöneren und immer passgenaueren Lieblingsteilen aufpimpen und umgehend beim Me Made Mittwoch präsentieren!

7. Upcyclen! All jene überflüssigen Kleidungsstücke, die im Schrank verstauben, einer neuen Bestimmung zuführen – und sei es nur als Bündchen/Tascheneingriff einer Babypumphose oder Rückseite eines Sabbertuchs. Reißverschlüsse, Knöpfe, etc. raustrennen und im Nähnerd-Ersatzteillager verwahren. T-Shirt-Garn herstellen. Einen Beekeepers-Quilt aus Wollresten stricken. Oder so.

8. Stressfrei schenken! Also vor allem: rechtzeitig planen. Einen DIY-Geburstags- und Weihnachtsgeschenkkalender anlegen oder so und gemütlich übers Jahr hinweg abarbeiten (Weil es ja sonst doch immer dasselbe Gestresse ist. Siehe hier, hier oder hier.). Dann komme ich zur Abwechslung vielleicht sogar mal dazu, mich an einem Weihnachtskleid-Sewalong oder einem Frühlingsjäckchen-Knitalong oder ähnlich schönen Aktionen zu beteiligen.

So, das soll fürs erste reichen. Und ihr so? Auch irgendwelche Vorsätze fürs Handarbeitsjahr gefasst?

Die verstrickte Dienstagsfrage fragt auch nach Brigitte

Ein neuer Morgen bricht an in der Blogosphäre und noch immer spülen mir die gestern losgetretene DIY-Feminismus-Debatte und meine Gedanken dazu jede Menge Blogbesucher*innen auf den Bildschirm (willkommen ihr alle und danke, dass ihr da seid!).

Feminismus

Ja, es gab viel Aufregung gestern, nicht nur auf brigitte.de, sondern allerorten in den handarbeitenden Blogs und den Sozialen Netzwerken. Heute morgen fragt deshalb auch das Wollschaf in seiner verstrickten Dienstagsfrage nach Meinungen zur Debatte:

„Wieder einmal beschwört ein abwertender Artikel über handarbeitende Frauen einen Shitstorm in Netz herauf.

Was denkst Du?
Warum fühlen sich so viele Frauen sofort angegriffen und gehen in den Verteidigungsmodus, sobald jemand abwertend über Handarbeiten schreibt?

Mangelt es der handarbeitenden Frauenwelt vielleicht einfach nur an dem Selbstbewusstsein, über solches Geschreibsel mit einem milden Lächeln hinwegzusehen?“

Ich bin ja nun noch ganz neu hier in der online handarbeitenden Welt. Deshalb sind vielleicht vorangegangene Diskussionen zum Thema bislang an mir vorbeigegangen. Dass viele Kommentator*innen gekränkt reagierten und sich teils auch weit unter der Gürtellinien auf die Autorin Heide Fuhljahn einschossen, ist ärgerlich, angesichts der von ihr gewählten polemischen Wortwahl und Pauschalkritik aber auch nicht wirklich verwunderlich.

Ob manche der Reaktionen aus mangelndem Selbstbewusstsein herrührten mag ich nicht beurteilen, bezweifle aber zumindest, dass dies mehrheitlich der Grund war. Warum es mich nun gestern gepackt hat, mit wirklich heißer Nadel zwischen zweiTerminen meine Meinung zum Anti-DIY-Artikel in meinen Blog zu stricken hatte jedenfalls weniger mit meiner gekränkten Handarbeiter*innen-Seele zu tun, als mit dem Ärger darüber, dass hier etwas als Feminismus ausgegeben wird, was in seiner ganzen Argumentationsstruktur zutiefst anti-feministisch daherkommt.

Sei es wegen des von mir gestern schon bemängelten Angreifens individueller Lebensentwürfe in Fuhljahns Text. Sei es, dass in einem Abwasch mit den Handarbeiten auch recht unverhohlen Hausarbeit und Muttersein als Tätigkeiten gegenüber „richtiger Arbeit“ abgewertet werden – ein Klassiker, der mit der gesellschaftlichen Geringschätzung von Care Work im Speziellen, wie auch anderen als „weiblich“ konnotierten Tätigkeiten im Allgemeinen korrespondiert, die sich nicht zuletzt in der drastischen Unterbezahlung von z.B. Erzieher*innen oder Altenpflegekräften zeigt. Zur Abwertung von ebenfalls verkürzt als „weiblich“ konnotierten Tätigkeiten wie dem Handarbeiten hat Lucy gestern auf ihrem Nahtzugabe-Blog schon passende Worte gefunden:

„Bedeutet das nicht, männlich konnotierte Tätigkeiten von vorneherein höher einzuschätzen als alles, was in unserer Kultur als „weiblich“ gilt und damit genau die Wertehierarchie zu bestätigen, die man eigentlich ablehnt?“

Dass Fuhljahn in ihrem Text zudem das Handarbeiten als Tätigkeit pauschal Frauen zuschreibt und deren Wissen/Können in Frage stellt, stößt beispielsweise Anke auf, die exemplarisch darauf hinweist,

„Wieviel Leistung  und Können darin steckt, Fasern zu färben und zu spinnen, um genau das Garn zu produzieren, was ich mir vorstelle.“

Persönlich finde ich gar nicht, dass es beim Bloggen per se um Leistung und Können gehen muss. Ja, persönlich war dieser Blog tatsächlich in erster Linie zum Austausch über ein Hobby, zum Voneinanderlernen und daher auch zum offenen Umgang mit Nicht-Können, mit Scheitern gedacht.

An feministische Positionierung hatte ich ursprünglich gar nicht gedacht. Gleichwohl finde ich es spannend, welche Debatten so ein Hobby lostreten kann und nehme die aktuelle zum Anlass, mich mehr zu informieren – darüber ob sich DIY als widerständige Praxis sehen lässt etwa oder darüber, was Lifestyleblogs über Geschlechterrollen aussagen; ich werde mir mal die queerfeministischen Ravelry-Gruppen anschauen, und freue mich auf die sicher noch vielen differenzierten Denkanstöße, die das Wollschaf mit seiner verstrickten Dienstagsfrage heute aus anderen Blogger*innen herauskitzelt oder auf eure Kommentare, die ihr hier zum Thema hinterlasst.

Ohne das Handarbeiten an sich per se als feministischen Akt überhöhen zu wollen, gibt es da draußen meinem ersten unvollständigen Eindruck zufolge durchaus viele spannende Ansätze, Feminismus und DIY zusammenzuführen (und nein, ich finde dafür muss man sich nicht zwingend ein Wollknäuel in die Vagina stecken …).

Einen schönen Tag euch allen (und lasst euch nicht ärgern 😉 )!

Gender Gaps und Knopflöcher setzen können

Vielleicht war ich naiv. Ich dachte doch tatsächlich, man könnte als Frau, ja, sogar als Mutter, einfach mal so ein harmloses Hobby-Handarbeits-Blögchen starten, ohne sich – wie sonst oft genug und gerne – gleich gesellschafts-, gender- oder sonstwie politisch positionieren zu müssen. Ja, ich dachte doch tatsächlich, man könnte sich einfach mit ein paar anderen Handarbeiter*innen über Handarbeiten austauschen, ohne nicht handarbeitenden Menschen damit auf die Nerven zu gehen.

Aber falsch gedacht. Offenbar gibt es Menschen, die meinen, DIY-Blogs seien in ihrer Gesamtheit unfeministisch, nein, sogar anti-feministisch, sie träten gar der „Gleichberechtigung ins Knie“:

„Doch die alpakaweiche Bewegung tritt die Gleichberechtigung ins Knie. Denn all die Blogs und Artikel und Prodüktchen, sie bedienen abwertende Mädchen-Klischees. Meist in Pastellfarben gestaltet, mit Mustern aus den 70ern. Dazu Schreibschrift und Schnörkel. Im Blog-Titel Worte wie Fräulein, Feen, Zauber und Seele; im Online-Shop das Versprechen, alles wurde „mit ganz viel Liebe hergestellt“. Im Zentrum: das traute Heim. Gefühlsduselei, mangelnde Fähigkeit zur Abstraktion, Hausfrauen-Kleinklein, wenig Wissen: Das wurde Frauen, als sie noch darum kämpfen mussten, Wissenschafterlinnen zu werden, vorgehalten. Heute definieren sie sich stolz über Babyfotos und mit Äpfeln bedruckte Geschirrhandtücher: Loriots Jodeldiplom.“

So schreibt es Heide Fuhljahn in einem fulminanten Rant auf brigitte.de. Sie beklagt, die Bloggerinnen wollten nur Aufmerksamkeit (mal ehrlich: Brigitte-Kolumnist*innen etwa nicht?) und statt mit ihren Blogs „Grundlagen von Revolutionen“ zu legen, also „wie meist Männer“ politische Blogs zu schreiben, widmeten sie sich lieber mit „wenig Anstrengung, viel Bohei“ Babyfotos und Schminktäschchen.

Uff. Nun könnte ich kleinlaut eingestehen, dass ich es heute morgen gewagt habe ein Foto mit Baby (!) an der Nähmaschine (!) zu posten, statt wie Frau Fuhljahn zu einem emanzipierten Mixed Martial Arts-Event zu gehen. Ich könnte auch entgegnen, dass ich dieses Foto postete, ehe ich mein Strickzeug (!) in die selbstgemachte (!) Wickeltasche packte um zu einem von dutzenden Krippen-Besichtigungsterminen zu eilen, damit ich dereinst wieder Vollzeit arbeiten kann, statt Vollzeit Baby-Pumphosen zu nähen.

Ich mag mich aber gar nicht rechtfertigen, weil ich nichts weniger feministisch finde als die permanente Aufforderung an Frauen – von egal welcher Seite – sich für ihren – egal welchen – Lebensentwurf, genau: zu rechtfertigen. Ich mag mich nur wundern über ein so eingeengtes Verständnis von Feminismus, in dem handarbeitende Mütter per se unfeministisch sind, weil sie sich nicht anstrengen mögen um „Pilotin oder Verlegerin“ zu werden, wie Fuhljahn schreibt. (Zu Recht fragt Katharina Rathert auf Twitter: „… ist eine Pilotin immer auch Feministin?“)

Nein, allzu kindlich-mädchenhafte DIY-Projekte sind auch nicht meins. Aber wer bin ich, darüber zu urteilen oder davon gar auf den Grad an Selbstbestimmtheit ihrer Urheber*innen zu schließen? Wer sagt denn, dass neben dem Strickzeug nicht Anne Wizoreks Streitschrift „Weil ein Aufschrei nicht reicht“ auf dem Couchtisch liegt? Kann es nicht sein, dass Strickschriften und Judith Butler lesen sich genauso wenig widersprechen wie die Fähigkeit zum Knopflöcher und Gender-Gap-Setzen? Ist es tatsächlich emanzipierter, nach dem Vollzeitjob, wenn das Kind schläft, Kampfsport zu betreiben anstatt die eigene Garderobe zu upcyclen? Und was weiß Fuhljahn über das, let’s say, antirassistische oder umweltpolitische Engagement von häkelnden Vollzeitmüttern?

Mit freundlichen Grüßen: Eine, deren Identität mehr umfasst als Handarbeiten und wenn nicht, dann ist es auch gut.

(Und jetzt: viel Spaß beim Debattieren. Die Mutti muss los zum nächsten Krippentermin)

Update: In der ersten, mit heißer Nadel gestrickten (*hust*) Version des Textes habe ich den Namen der Autorin Heide Fuhljahn falsch geschrieben, das bitte ich zu entschuldigen! Außerdem war zwischenzeitlich der Link auf brigitte.de defekt, das müsste jetzt behoben sein.

Neuling fragt (sich)

Als Handarbeitsblog-Neuling muss man allerlei lernen. Ich bin noch so verdammt Ravelry-grün hinter den Ohren und irre orientierungslos durch die Masse spannender Blogs und Blog-Features, die sich vor mir auftun.

1. Das Blog-Design

Habe ich das richtige WordPress-Theme für meine Zwecke gewählt? Ist meine Sortierung schlüssig? Soll ich lieber Tags oder Kategorien verwenden und wie unterscheiden die sich überhaupt? Mehr Unterseiten erstellen – und wenn ja: wie kriege ich da meine Startseiten-Beiträge drauf? Wie kriege ich ne nettere Blogroll hin und warum erscheint erscheinen da, wenn ich von Liste auf Gitter umstelle nur ein einziger der vielen abonnierten Blogs die WordPress-Blogs? Kann ich irgendwo einstellen, dass auf der Startseite nur Teaser der Beiträge erscheinen, anstelle der kompletten Texte/Bilder?

Fragen über Fragen ….

2. Sozialisieren

Facebook, Twitter, Google+: alles in meinem Gravatar-Profil angegeben. Aber warum nicht in meiner Seitenleiste direkt auf dem Blog? Wie kriege ich da die Social-Media-Buttons hin? Das WordPress-Twitter-Widget schreibt mir da nur „meine Tweets“ hin, ohne dass man was sieht. Und wie zur Hölle funktioniert das mit nem Ravelry-Button und diesen schicken Strick-Fortschritt-Prozentangaben? Bei den entsprechenden Anleitungen, die ich dazu gefunden habe, blicke ich überhaupt nicht durch …

Fragen über Fragen …

3. Blog-Vernetzung

Ich lese, ich abonniere, ich kommentiere, ich like und manchmal verirrt sich auch jemand zu mir. Wie habt ihr mich gefunden, ihr da draußen? Mögt ihr, was ihr seht? Brauche ich noch mehr Follow-Möglichkeiten? Bloglovin? Wie funktioniert das mit diesen Sewalongs und Knitalongs? Wer ruft wen dazu auf? Was sind die Regeln, wie gehört man dazu?

Fragen über Fragen … ich stelle sie mir selbst und euch, ich lese und lerne und was ihr hier seht das wird und wächst. Gebt mir gerne Feedback, ich freue mich über eure Kommentare, Gedanken, Erfahrungen!

Danke, sagt ein Blog-Neuling.

Verstrickter Start

Es war einer dieser Tage zwischen schlafendem Baby und auf der Couch eingeschlafenen Füßen, zwischen strick-ich-das-jetzt-fertig oder-fang-ich-was-Neues-an, zwischen geh-ich-heute-noch-raus oder bleibe-ich-daheim, zwischen Couchtisch-Schokolade, Wollkorb und Laptop-auf-den-Knien-permanent-on.

Und zwischen alldem der kreisende Gedanke: to blog or not to blog? Braucht die Welt wirklich noch einen weiteren DIY-Blog, noch mehr guck-mal-hab-ich-selbstgemacht-Stricksocken-Vorgezeige?

Nöö. Aber ich hab trotzdem Bock drauf. Verstrickt und zugenäht nochmal, ich lege los.

Doch merke: ehe man sich ein Logo strickt, sollte man googlen, ob andere Handarbeiter_Innen sich bereits in der Crafting-Wortspiel-Hölle getummelt und das gleiche Souvenir mitgebracht haben … „Verstrickt und zugenäht“? Natürlich längst vergeben. Da hilft auch kein wie-zufällig-hindrapiertes Handarbeitszeug auf charmanten Altbau-Dielen …

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… ein neuer Name muss her (der alte ließ sich eh nicht richtig lesen). Ein Name, der Nähen und Stricken umfasst; ein bestrickender Name, der potenzielle Leser_Innen umgarnt, harr-harr. Na, also, geht doch: bestrickend umgarnt. Zack, fertig, losgelegt. Und wenn’s das auch schon gibt, dann ist es uns egal: doppelt hält besser. Willkommen in meinem Blog!

(Wer ist ich? Warum macht sie das? Guckst du hier. Weiteres folgt an einem dieser Tage zwischen schlafendem Baby und auf der Couch eingeschlafenen Füßen, zwischen strick-ich-das-jetzt-fertig oder-fang-ich-was-Neues-an … – ihr wisst schon. Wenn ihr mögt, bleibt dran!)