Heldin in Strumpfhosen oder: Kuriositätenkabinett der unvollendeten Strickwerke

Eigentlich stricke ich zielgerichtet. Also mit dem Ziel, irgendwann fertig zu werden. Am besten irgendwann im Herbst, irgendwann vor dem Winter, irgendwann bevor es so richtig kalt ist, irgendwann dann, wenn man sich gerne in ne ganz neue Masche hüllen würde, um der Kälte zu trotzen. Irgendwann dann.

Aber irgendwann ist ein dehnbarer Begriff. Und wenn sich dann die unfertigen Projekte im  70er-Jahre-Strickkörbchen (yeah, all ihr shabby-chic-Hipster, ich bin ja selbst so vintage!) stapeln, weil ich irgendwann unterwegs – nun, ja … – den Faden verloren habe, dann dämmert mir langsam: der Strickweg ist das Ziel.

Strickkorb

Aber eigentlich ist das nur eine lahme Rechtfertigung dafür, dass da irgendwas ziemlich verstrickt ist und aufgeribbelt gehört. Oder verschenkt an Menschen mit anderer Figur. Wagen wir also einen Blick in dieses Kuriositätenkabinett namens Strickkorb der unvollendeten oder vollendet untragbaren Strickwerke

1. Die Pullunderwurst mit Ärmelsack

Es fing so schön an. Mit dem Kauf einer Strickzeitschrift. Mit dem Ankreuzen jeden zweiten Modells. Mit dem Bestellen gleich mehrerer eigentlich viel zu teuerer Garnpakete. Mit dem übermotivierten parallel-Losstricken mehrerer Projekte. Numero uno sollte ein Pullover werden (im Bild rechts, der kleine mit der schlichten Flechtfrisur).

Blauer Strickpulli_Muster

Es war ein schönes Gestricke. Weiche Wolle, simples Strickmuster. So simpel, dass ich vor lauter Glattrechts-Stricken mit hauchzartem Faden irgendwann aus lauter Langeweile und Nebenher-Gestricke vergaß wo ich war und es mit den Maschen-Zunahmen nicht mehr so genau nahm. Am Ende hatte ich einen wurstig sitzenden Pullunder und einen Ärmelsack, der irgendwie, irgendwo, irgendwann so breit und unförmig geworden war, dass Ärmel Nr. zwei erst gar nicht den Weg auf die Nadeln fand.

Blauer Strickpulli_unfertig

2. Das lange, lange kurze Braune

Ja, ist es nicht hübsch? Dieses kurze Braune mit dem raffiniert verschlungenen Vorderteil? Fand ich auch. Das war vor, mmh, vier Jahren. Da erschien das Rebecca-Heft 44, aus dem dieses, wie auch die anderen schönen Modelle stammen.

Braunes Strickkleid

Wieder diese hauchzarte Wolle, wieder glatt rechts gestrickt und diesmal sorgt noch nicht mal ein Zopf für Abwechslung. Millimeter um Millimeter wuchs das lange, lange kurze Kleid – Winter für Winter, immer dann, wenn mich das schlechte Gewissen wieder heimsuchte.

Braunes Strickkleid_unfertig3

Mittlerweile ist das Hinterteil fertig und das Vorderteil fast. Aber weitergestrickt habe ich schon seit dem letzten Winter nicht mehr. Es graut mir vor dem laaaangsamen Millimeter-Wachstum. Davor, dass ich gar nicht mehr weiß, an welcher Stelle im Strickmuster ich steckenstehengeblieben war. Davor, dass noch zwei laaaange Kurzärmel fehlen. Es graut mir vor ewig langen ungenähten Nähten. Und davor, dass es am Ende dann so sitzt wie der verbockte Rock …

3. Der Verbockte Rock

Der verbockte Rock ist immerhin fertiggeworden. Hat auch gar nicht so lange gedauert und sieht doch super aus, oder nicht?

Grüner Strickrock

Ja, in der Zeitschrift schon. Und auf dem (Vintage! Shabby!) Parkettboden auch. An mir aber nicht. Da verwandelt sich der Rock in einen Hinternwärmer …

Grüner Strickrock4

… in dem ich mich selbst dann wie eine alberne Heldin in Strumpfhosen fühle, wenn ich nur incognito vor dem Schlafzimmerschrank posiere. Robin Hood hätte dieses wollige Etwas sicherlich mit Würde getragen. Ich selbst, mmh: nein.

Grüner Strickrock3

Grüner Strickrock2

So und jetzt seid ihr dran: welche unfertigen oder gescheiterten Strickwerke habt ihr im Körbchen? Kommt schon, traut euch!

 

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4 Gedanken zu „Heldin in Strumpfhosen oder: Kuriositätenkabinett der unvollendeten Strickwerke

  1. Pingback: Reinmaschige Damenoberbekleidung | BESTRICKEND UMGARNT

  2. Hihi 😉 Das ist aber auch immer böse mit den Sachen die nur glatt rechts gestrickt werden. Da gibt es ja wirklich hübsche Modelle die leider aber auch genauso eintönig beim herstellen sind, wie sie hübsch aussehen. Aber wenn mans dann fertig hat kann man sehr Stolz sein…Vorrausgesetzt es passt 😀 Ob ich das mal mache ist jedoch eher fragwürdig, schließlich ist es dann doch einfacher ein so hübsches Stück im Laden zu kaufen und glücklich zu sein, statt sich Stundenlang damit abzumühen… 😀 Da bevorzuge ich lieber abwechselungsreiche Arbeit.

    Ich habe mich bisher noch nicht an einen Pulli oder ähnliches gewagt. Meine größte Sorge ist, dass ich mit der Anleitung nicht zurechtkomme oder er am Ende einfach nicht passt. Aber demnächst möchte ich mich mal daran versuchen…mal sehen ob es was wird. 😉 Ich hoffe das daraus dann kein UFO wird…bisher habe ich zum Glück keine und so darf es gerne weitergehen 🙂

    Liebe Grüße
    Lia

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  3. Ja, ich habe daraus definitiv auch gelernt, dass ich keine feinmaschigen Großprojekte in Glattrechts mehr auswählen werde. Ein Babyjäckchen o.ä. – gerne. Aber für mich selbst dann lieber wieder was mit dickeren Nadeln und unterhaltsamen Muster …

    Schönen Abend und liebe Grüße!

    Gefällt mir

  4. Pingback: Gesucht. Gefunden? | BESTRICKEND UMGARNT

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