Geburtstagsanzug

Ein Jahr, wirklich schon ein Jahr: Sohnemann hatte am Sonntag Geburtstag. Und bevor ich am Montag zur Vollzeit-Working-Mum geworden bin (und daher jetzt erst zum Bloggen komme…), haben wir unseren schon so erstaunlich großen Kleinen angemessen gefeiert.

Zur Feier des Tages hatte unser Geburtstagskind einen neuen Anzug an. Den schönen Schnitt „Toucan & Tiger“ aus der Ottobre 3/2014 hatte ich schon einmal genäht. Da ich aus den Fehlern dieses ersten Versuchs gelernt (also die Bündchenstreifen nicht so doll gedehnt und mehr Geld für Marken-Druckknöpfe von Prym ausgegeben) habe, ist dieser gepunktete Anzug, wie ich finde, nahezu perfekt geworden (verzeiht die Angeberei… 😉 ).

Pünktchen-Jersey und Bündchen hatte ich günstig beim letzten Stoffmarkt Holland besorgt:

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Sohnemann passt der Geburtstagsanzug quasi wie angegossen und er hat seinen ganzen Ehrentag lang ausgiebig darin gespielt. Draußen….

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… wie drinnen:

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Auf seinem Geburtstagstisch lagen übrigens noch ein paar selbstgemachte Dinge, die jedes auf seine Weise eine Premiere für mich dargestellt haben (und deshalb perfektionistischen Ansprüchen eher weniger gerecht werden). Einen ersten Blick darauf gewähre ich euch hier …

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… und beim nächsten Mal stelle ich euch die Geschenke dann noch genauer vor. Eine schöne Restwoche euch! Ich verlinke mich noch fix bei Kiddikram und Made4Boys.

Weitere schöne Versionen des Ottobre-Spielanzugs finden sich im DIY-Internet zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier (auch mit Affen, wie meine erste Version) oder hier.

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Manchmal auch für Mädchen

Es ist wirklich großartig, kleine Jungs zu benähen. (Also: vor allem meinen kleinen Jungen. 🙂 ) Und deshalb muss ich hier auch bald mal wieder ein paar (bislang noch nicht blogtauglich fotografierte) neue Sohnemann-Outfits vorstellen.

Aber manchmal mag ich auch für Mädchen. Nicht wegen Pink und so. Sondern wegen der vielen schönen Rock- und Kleiderschnitte da draußen.

Kürzlich (also: auch schon wieder einen Monat her …) durfte ich mal wieder. Denn mein Patenkind hat seinen dritten Geburtstag gefeiert und per Post habe ich eine Tunika nach dem so einfachen wie schönen „Peplum“-Schnitt aus der Ottobre 1/2015 beschert:

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Da ich vom blauen Stoff ein kleines bisschen zu wenig hatte und der farblich so schön passende grüne Pünktchenstoff nur noch ein Rest aus der Weihnachtspumphosenmanufaktur war, musste ich ein bisschen puzzeln und am rückwärtigen Rockteil ein bisschen patchen, aber irgendwie hat es am Ende dann doch noch gerade so gereicht.

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Nächstes Mal gibt es dann wieder Sohnemann-Mode zu sehen. Und als Inspiration für die nächsten Projekte, schaue ich mich jetzt noch beim Juni-Kiddikram um.

White Style

Übers Wochenende ist mir die deutsche Ausgabe der finnischen Schnittzeitschrift „Ottobre Design Kids Fashion“ ins Haus geflattert. Schon öfter hatte ich am Zeitschriftenregal stehend mit ihr geliebäugelt, die Schnitte und Stoffe toll und abwechslungsreich gefunden und sie daher nun mal probehalber abonniert. Neben der aktuellen Ausgabe 1/2015 hatte ich mir noch eine 2014er-Ausgabe bestellt und so sehen die beiden aus:

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Und im Inneren entdecke ich unter anderem folgende Bilder:

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Vielleicht ist es Zufall. Vielleicht aber auch nicht, wenn man mal im Online-Angebot der Ottobre blättert. Fakt ist jedenfalls: Beide Titelbilder zeigen keine weißen Kinder.

Warum ich das so betone? Weil ich es erfreulich und der Vielfalt unserer Gesellschaft angemessen finde. Vor allem aber, weil ich den Eindruck habe, dass eine solche Titelseiten- und Fotostreckengestaltung hierzulande (leider) außergewöhnlich ist. Ich will gar nicht vom weißen Norm-Schönheitsideal sogenannter Frauenzeitschriften im allgemeinen sprechen – bei den DIY-Zeitschriften zu bleiben reicht mir schon voll und ganz.

Vielleicht habe ich bislang die falschen Schnittzeitschriften gelesen oder insgesamt zu wenige. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß: in rund zwei Jahren (2012-2014), in denen ich das in Deutschland wohl bekannteste Schnittmuster-Magazin „Burdastyle“ abonniert hatte, habe ich nicht ein einziges Mal People of Colour auf dem Titel gesehen. Und auch im Inneren der Zeitschrift habe ich fast vergeblich nach nicht-weißen Models gesucht. Gerade habe ich rein willkürlich rund ein dutzend Ausgaben aus dem Regal gezogen und durchgeschaut. Und von zwei schwarzen Models abgesehen, die jeweils in so einer Art „ganz normale Leute von der Straße präsentieren ihre Lieblingsmode“-Fotostrecken auftauchten (und von denen eins zufälligerweise das spätere Germany’s Next Topmodel Lovelyn ist …) tauchten die einzigen PoC dort auf, wo

a.) Leserinnen ihre selbstgemachten Modelle präsentierten (was schon mal zeigt, dass die Leserschaft der Burdastyle trotz allem nicht rein weiß ist!)

b.) Trends der internationalen Laufstege mit der Heftmode verglichen wurden (es ist schon recht bezeichnend, dass ausgerechnet dies die Seiten mit den meisten PoC, sprich: überhaupt welchen sind, bedenkt man, dass die Laufstege dieser Welt ja nun auch alles andere als ein Spiegel der vielfältigen Wirklichkeit sind…)

c.) sie als „exotisches“ Accessoire für weiße Models dienen.

Das klingt euch jetzt zu krass? Beispiel gefällig? Bitteschön (aus: Burdastyle 6/2012):

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Eine detaillierte Kritik könnte schon bei der Überschrift ansetzen (die einige Monate später exakt so über einer DIY-Fotostrecke zu Safari-Wildtier-gemusterten Wohnaccessoires steht, aber das nur am Rande …), denn einen Karen-Blixen-Buchtitel zu zitieren zeigt schon recht deutlich, dass es hier nur um eines geht: um weiße Menschen vor „afrikanischer“ Kulisse bzw. um eine weiße Sicht auf „Afrika“.

Auf diese Weise vorgewarnt macht es mich dann aber trotzdem sprachlos, wie dreist Schwarze Menschen hier darauf reduziert werden Kulisse oder Accessoire zu sein. Denn nein, Stoff und Schnittmuster der von Schwarzen Menschen getragenen Mode wird natürlich nicht benannt. Stattdessen geht es ausschließlich um die Safariwestenmode des blonden Models, die vor/neben Schwarzen Menschen in Szene gesetzt wird.

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Und diese (im Heft natürlich noch viel zahlreicheren) Schwarzen Kinder werden im Bildtext übrigens als „große Fangemeinde“ bezeichnet, derer sich die Chiffonbluse der weißen Frau erfreut … (zum Thema Schwarze Kinder als Kulisse für weiße Frauen immer wieder gut: dieser Text des Satireblogs The Onion).

So viel zu einem der offensichtlich rassistischen Beispiele, die mir beim Blättern so in die Hände gefallen sind. Was mir außerdem aufgefallen ist: Das in gefühlt jedem zweiten Heft mindestens eine Themenstrecke sich „Ethno“-Looks widmet, sprich: Stilelemente nicht-weißer/nicht-europäischer/nicht-westlicher Menschen aufgreift („inspiriert von Nomadenvölkern“) und diese – na? – genau: an weißen Models präsentiert. Betextet wird das dann wahlweise als „exotisch“, „exotisch“ oder „exotisch“ (teilweise fällt der Begriff sogar mehrfach innerhalb einer ohnehin nicht gerade textreichen Fotostrecke); Muster/Schnitte/Stile sind wie auf Knopfdruck „sinnlich“, „wild“ oder gleich „animalisch“, sie versprechen „Asia-Touch“ oder „Orient-Look“, „südliche Lässigkeit“, „Südsee-Feeling“ oder das „rassige“ Temperament „feuriger Sizilianerinnen“ oder klammern bestimmte Bevölkerungsgruppen aus, wenn sie von „optimistischen 50er“ Jahren in den USA sprechen (ich würde mal tippen, dass Afroamerikaner*innen dieses Jahrzent anders bezeichnen würden als die Mad Menesk gestylten weißen Models im Heft…) oder weiße Frauen samt Traumfängern und Lederfransen in den Native-American-freien Wilden Westen schicken. (Dass sich die Kosmetiktipps nur an Frauen richten, deren Hautton dem gleicht, was gemeinhin als „nude“ bezeichnet wird, tatsächlich aber nackte dunkle Haut ausklammert, ist dann nur noch ein Detail am Rande.)

Ich könnte weitere, weitere und weitere Beispiele nennen, aber ich ärgere mich schon so genug. Und als weiße Frau kann ich nur ahnen, wie es PoCs gehen muss, die sich beim Blick in solche Zeitschriften gar nicht oder nur auf exotisierende und rassistische Weise repräsentiert sehen.

Dass es anders geht, zeigt auf wohltuende Weise die „Ottobre“. Aber kann das alles sein? Gibt es noch weitere positive Beispiele von DIY-Zeitschriften da draußen, die nicht Weißsein als Normschönheitsideal vorgeben, sondern der Vielfalt unserer Gesellschaft Rechnung tragen? Und wenn nicht: wie können wir das ändern?

Ich freue mich auf eure Tipps, Erfahrungen, Diskussionsbeiträge!  (Worauf ich aber keine Lust habe: auf „das ist doch gar nicht rassistisch“-Kommentare von Menschen, die sich offensichtlich noch nicht damit beschäftigt haben, was Rassismus ist. Danke!)

Update, 30.1.: In einem Blogeintrag von 2013 fiel hier auch schon mal jemandem auf, wie weiß die Burdastyle ist.

Update 31.1.: Natürlich (Gottseidank!) bin ich nicht die erste, die sich diesem Thema widmet. Jenny hat schon 2012 einen super Text zum „BS & BS“ (Bullshit & Burdastyle) verfasst.