Stricken mit Stäbchen

chopsticks

Kurzwaren-Messie hatte kürzlich wieder Post. Diesmal keine Knöpfe, sondern so längliche Dinger aus Bambus, verschieden dick und dünn, 60 Stück an der Zahl, immer schön in 5er-Packs, handschmeichlerglatt anzufassen, spitz zulaufend, so Teile eben, die Kurzwaren-Messie halt ganz dringend braucht.

Und was sagte der Mann meines Herzens dazu?

„What do you want to do with all these chopsticks??!“

Vielleicht heute Abend das leckere Kürbis-Curry von Ringelmiez essen. Wahrscheinlicher aber die Ärmel vom Babyjäckchen stricken, zu dem mir bis zur Chopsticks-Post das passende Nadelspiel fehlte.

Denn mit Nadelspielen ist es bei mir wie mit Socken oder anderen Dingen, die mindestens paarweise auftreten und einzeln nicht zu gebrauchen sind: es gibt da irgendwo ein Monster, dass sie nie im Paar oder Set, sondern stets einzeln verspeist. So habe ich viele einzelne Socken und viele Nadelspiele, denen der fünfte Nadel-Buddy fehlt.

Also habe ich mir nun kurzentschlossen mal einen Nadelspiel-Vorrat mit 12 verschiedenen Stärken zugelegt. Aus Bambus, dabei habe ich bislang ganz konventionell-unoriginell mit Metallnadeln gestrickt. Und kaum hat Kurzwaren-Messie im Nadel-Universum herumgestöbert, tauchen in Kurzwaren-Messies Träumen schon Weihnachtswünsche auf: so ein KnitPro-Holz-Rundnadelset wäre doch was. Nadelspitzen mit austauschbaren Seilen, ach!

Aber mag ich überhaupt mit Holz stricken? Oder mit Bambus? Ich werde es sehen – fangen wir erstmal mit den Chopsticks an.

Womit strickt ihr denn so? Und was sind für euch die Vor-/Nachteile der einzelnen Materialien?

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Heldin in Strumpfhosen oder: Kuriositätenkabinett der unvollendeten Strickwerke

Eigentlich stricke ich zielgerichtet. Also mit dem Ziel, irgendwann fertig zu werden. Am besten irgendwann im Herbst, irgendwann vor dem Winter, irgendwann bevor es so richtig kalt ist, irgendwann dann, wenn man sich gerne in ne ganz neue Masche hüllen würde, um der Kälte zu trotzen. Irgendwann dann.

Aber irgendwann ist ein dehnbarer Begriff. Und wenn sich dann die unfertigen Projekte im  70er-Jahre-Strickkörbchen (yeah, all ihr shabby-chic-Hipster, ich bin ja selbst so vintage!) stapeln, weil ich irgendwann unterwegs – nun, ja … – den Faden verloren habe, dann dämmert mir langsam: der Strickweg ist das Ziel.

Strickkorb

Aber eigentlich ist das nur eine lahme Rechtfertigung dafür, dass da irgendwas ziemlich verstrickt ist und aufgeribbelt gehört. Oder verschenkt an Menschen mit anderer Figur. Wagen wir also einen Blick in dieses Kuriositätenkabinett namens Strickkorb der unvollendeten oder vollendet untragbaren Strickwerke

1. Die Pullunderwurst mit Ärmelsack

Es fing so schön an. Mit dem Kauf einer Strickzeitschrift. Mit dem Ankreuzen jeden zweiten Modells. Mit dem Bestellen gleich mehrerer eigentlich viel zu teuerer Garnpakete. Mit dem übermotivierten parallel-Losstricken mehrerer Projekte. Numero uno sollte ein Pullover werden (im Bild rechts, der kleine mit der schlichten Flechtfrisur).

Blauer Strickpulli_Muster

Es war ein schönes Gestricke. Weiche Wolle, simples Strickmuster. So simpel, dass ich vor lauter Glattrechts-Stricken mit hauchzartem Faden irgendwann aus lauter Langeweile und Nebenher-Gestricke vergaß wo ich war und es mit den Maschen-Zunahmen nicht mehr so genau nahm. Am Ende hatte ich einen wurstig sitzenden Pullunder und einen Ärmelsack, der irgendwie, irgendwo, irgendwann so breit und unförmig geworden war, dass Ärmel Nr. zwei erst gar nicht den Weg auf die Nadeln fand.

Blauer Strickpulli_unfertig

2. Das lange, lange kurze Braune

Ja, ist es nicht hübsch? Dieses kurze Braune mit dem raffiniert verschlungenen Vorderteil? Fand ich auch. Das war vor, mmh, vier Jahren. Da erschien das Rebecca-Heft 44, aus dem dieses, wie auch die anderen schönen Modelle stammen.

Braunes Strickkleid

Wieder diese hauchzarte Wolle, wieder glatt rechts gestrickt und diesmal sorgt noch nicht mal ein Zopf für Abwechslung. Millimeter um Millimeter wuchs das lange, lange kurze Kleid – Winter für Winter, immer dann, wenn mich das schlechte Gewissen wieder heimsuchte.

Braunes Strickkleid_unfertig3

Mittlerweile ist das Hinterteil fertig und das Vorderteil fast. Aber weitergestrickt habe ich schon seit dem letzten Winter nicht mehr. Es graut mir vor dem laaaangsamen Millimeter-Wachstum. Davor, dass ich gar nicht mehr weiß, an welcher Stelle im Strickmuster ich steckenstehengeblieben war. Davor, dass noch zwei laaaange Kurzärmel fehlen. Es graut mir vor ewig langen ungenähten Nähten. Und davor, dass es am Ende dann so sitzt wie der verbockte Rock …

3. Der Verbockte Rock

Der verbockte Rock ist immerhin fertiggeworden. Hat auch gar nicht so lange gedauert und sieht doch super aus, oder nicht?

Grüner Strickrock

Ja, in der Zeitschrift schon. Und auf dem (Vintage! Shabby!) Parkettboden auch. An mir aber nicht. Da verwandelt sich der Rock in einen Hinternwärmer …

Grüner Strickrock4

… in dem ich mich selbst dann wie eine alberne Heldin in Strumpfhosen fühle, wenn ich nur incognito vor dem Schlafzimmerschrank posiere. Robin Hood hätte dieses wollige Etwas sicherlich mit Würde getragen. Ich selbst, mmh: nein.

Grüner Strickrock3

Grüner Strickrock2

So und jetzt seid ihr dran: welche unfertigen oder gescheiterten Strickwerke habt ihr im Körbchen? Kommt schon, traut euch!