Wir haben einen Vogel

Sohnemann feiert heute seinen ersten Fasching in der Kita. Zwar kann ich (trotz rheinländischer Gene väterlicherseits) als sozialisiertes Nordlicht herzlich wenig mit Karneval anfangen. Dieser bierselig-schlüpfrige Schunkelhumor, die fürchterliche Musik, das ist alles nicht so meins. Und was die Kostüme angeht, stößt es mir Jahr für Jahr auf, wie weit verbreitet Alltagsrassismus und kulturelle Aneignung witzig gefunden werden (sehr guter Text dazu bei Ringelmiez). Das einzige, was ich dieses Jahr beim kurzen Reinzappen vom Frankfurter Fastnachtsumzug gesehen habe, war eine volle Ladung Blackface vom Karnevalsverein „Die Kameruner“.

Das alles außen vor, finde ich fantasievolle Kostümierungen aber eigentlich großartig und habe mich als Kind auch sehr gerne verkleidet. Sohnemann wusste mit seinen 18 Monaten noch nicht so recht, wie ihm geschieht, als ich mit dem Samstagnacht improvisierten Umhang um die Ecke kam, die Mütze ließ er sich höchstens verkehrtherum aufsetzen. Aber nachdem Papa ihm ein bisschen was vorgeflattert ist, fand er es doch ganz lustig, Flügel zu tragen und stapfte heute fröhlich als Papagei in die Kita.

Meine Überlegung für ein Kleinkindkostüm war, dass es möglichst kitatauglich sein sollte. In dicken Plüschkostümen schwitzt es sich drinnen zu doll, sperrigen Klimbim hätte er eh gleich wieder abgeworfen. Also einfach Strumpfhose an und irgendein lustiger Umhang, so meine Devise. Und das ist es dann geworden:

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Aus rotem Stoff aus dem Stash habe ich zunächst eine Art Poncho zugeschnitten (Breite: Handgelenk zu Handgelenk = circa 75 Zentimeter, Länge etwas mehr als Rückenlänge, so um die 40 Zentimeter glaub ich), oben mittig ein Loch für den Kopf. Zwar wird es am Ende nicht als Poncho, sondern als Umhang getragen, aber so ist der Stoff direkt gedoppelt und die Rundung für den Nacken ist auch drin. Die untere Seite habe ich zunächst zum Halbkreis gerundet und dann frei Hand gezackte Federn ausgeschnitten.

Aus simplem Bastelfilz habe ich dann etwa 10 Zentimeter lange „Federn“ ausgeschnitten, auf eine der rechten Stoffseiten gesteckt und lagenweise dran genäht. Dann den Umhang (mit „Federn“ innen) einmal rundum zugenäht, an den Ecken Gummikordeln als Handgelenksschlaufen eingenäht und das ganze durch den Halsausschnitt gewendet. Eben jenen dann noch mit Schrägband eingefasst und weitere Befestigungsbändchen rangenäht.

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Die rote Mütze hatten wir noch aus meinen Kindertagen, da habe ich einfach aus Filz noch Federn, Augen, Schnabel raufgeklebt/genäht/mit Sicherheitsnadeln festgesteckt.

Als Geck aus dieser Burdastyle-Anleitung abgeschaut habe ich mir noch die Idee mit den Vogelfüßen aus Gummihandschuhen. Fertig! (Mütze und „Füße“ bleiben bestimmt nicht lang an ihrem Platz, aber das ist ja nicht schlimm, der Federumhang funktioniert auch so ganz prima).

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Vogelkostüm-Inspiration gesammelt habe ich zum Beispiel hier, hier und hier. Und sehr geärgert habe ich mich über Blogposts, in denen es sinngemäß hieß, ein buntes Vogelkostüm sei prima für Mädchen, aber wenn man eher neutrale Farben wie Braun und Grau nähme, ginge es auch für Jungs. Bei denen piept’s wohl! Und das meine ich jetzt nicht, weil in der Natur die Männchen die buntesten Federn tragen …

Noch schnell verlinkt bei Kiddikram, Sew Mini, Made4Boys– und fortgeflattert. Helau!

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