Kasten-Kleid

Achtung, jetzt kommt ein Karton! Es sollte eigentlich mal ein Kleid werden, wenn es groß ist, aber dann wurde es kastiger als Bernd das Brot.

Aber von vorne.

Ich hatte einige Zeit die Burdastyle abonniert. Ich dachte, das macht man so als Nähnerd. Monat für Monat habe ich mich über manche Modelle gewundert (was ist das? Wer trägt sowas? Warum?) und bei vielen weiteren gedacht: das nähe ich nach, unbedingt, ein Traum. Umgesetzt habe ich es dann meistens nicht. (Deswegen habe ich das Abo auch irgendwann abbestellt. Zu viel Frust, wenn monatlich so viel verlockende Schnittmuster ins Haus flattern und dann ungenäht im Regal verstauben.)

Manchmal habe ich dann aber doch etwas genäht. Zum Beispiel dieses Kleid.

Es gibt ja so Modelle, da denkt man: Toller Schnitt, aber dieser Stoff, den die da genommen haben geht gar nicht. Bei diesem aber dachte ich: genau SO muss es sein.

Na ja, nur leider … – siehe oben, Stichwort Bernd. Meine Figur ist scheinbar nicht Burdastyle-kompatibel, fürchte ich. So verunsichert hat mich der an sich einfach zu nähende, aber dann so gar nicht sitzende Kasten-Schnitt, dass ich am Ende noch nicht mal die Schluppe angenäht habe, die mich an diesem Modell doch so ganz besonders angelacht hatte.

Trotzdem liebe ich dieses Kleid irgendwie. Es sitzt wie ein Sack. Es ist in der Taille weit, am Hintern eng und wenn man die Hände in den Nahttaschen versenkt wirft es komische Falten. Bis heute habe ich keine wirklich passende Strumpfhose/Leggins im Schrank.

Aber mit dem 1-Euro-Flohmarkt-Schal …

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… mit ein bisschen Vintage-Treppenhaus, Gürtel und Riesen-Ledertasche …

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… mit ausgelatschten Lieblingsstiefeln, ungekämmten Haaren und heißgeliebtem Schlabberjäckchen …

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… sieht es am Ende irgendwie doch ganz unauffällig charmant nach mehr aus als Bernd – und passt zu seiner Trägerin, die es momentan in ihrer Herbstgarderobe schmerzlich vermisst (weil: leider absolut inkompatibel mit ständigem oben-offen-Alltag als noch-stillende Säuglingsmama …) und es trotzdem morgen früh zum MeMadeMittwoch schickt.

 

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MeMadeMittwoch macht den Parka fertig

Lange war es still hier im Blog. Drei Schnupfen wollten auskuriert, die Buchmesse besucht, Besuch bewirtet, der lädierte Rücken verarztet – und vor allem der Parka endlich fertiggenäht werden. Und voila, pünktlich zum heutigen Me Made Mittwoch ist es endlich soweit. Okay, ehrlich gesagt habe ich vergessen die Kapuzenbänder einzuziehen und die Wendeöffnung im Futter ist noch nicht zugenäht, aber das würde ja keine*r sehen, hätte ich es euch nicht just verraten. Also ein großer Tusch und Vorhang auf für mein vor Urzeiten begonnenes Stück Herbstgarderobe, das ich nun tatsächlich noch im Herbst tragen kann:

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An der Frau sieht das gute Stück ganz schön groß aus, denn der Schnitt (Modell 129 aus der Burdastyle 9/2012) fällt riesig aus (und hat riesige Taschen … und eine wirklich riesige Kapuze …). Dank der Taillendurchzugbänder lässt es sich aber gut auf Linie bringen und außerdem ist ein bisschen Platz für dicke Pullis bei einer Wind-und-Wetter-Jacke ja auch nicht das schlechteste.

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(Entschuldigt bitte die mäßige Fotoqualität. Der persönliche Blogassistent meiner Wahl hatte heute leider überhaupt gar keine Zeit und hat mich daher nur in zwei Minuten per Handykamera auf dem Weg zur S-Bahn ganz fix abgelichtet, auf mein drängendes MeMadeMittwoch-Betteln hin … der Rest musste dann per Spiegel-Selfie ergänzt werden). Voller Stolz habe ich den Parka heute das erste Mal ausgeführt. Dabei sind einige Details alles andere als perfekt geworden, zumal sich mein gewachster Stoff nicht bügeln lässt, aber ich bin im Großen und Ganzen zufrieden – und habe nach zwischenzeitlicher Ratlosigkeit bzgl. einiger Arbeitsschritte, viel Gegoogle und Durchwurschteln auch einiges dazu gelernt: Tunnelzugdurchzugschlitze verstürzen, zum Beispiel. Oder eine verdeckte Knopflochleiste nähen. Abgesehen von den Ärmelbündchen, bei denen ich den Gummizug weggelassen habe und stattdessen gerne mal das (irgendwie improvisiert eingenähte) Ärmelfutter nach außen klappe, habe ich den sehr detailreichen Schnitt unverändert gelassen. Zur Materialwahl hatte ich ja im ersten Parka-Beitrag schon ein bisschen was gesagt. Dazu sind seither noch wunderschöne Knöpfe aus Kokosholz hinzugekommen …Parka_Knopf

… um die es angesichts der verdeckten Knopflochleiste fast ein wenig schade ist, aber dann muss ich die Jacke eben öfters mal offen tragen. Zu dem Schnitt gibt es übrigens auch einige andere schöne Modelle im Netz zu bewundern. Ganz besonders gut, was Umsetzung und Materialwahl angeht, gefällt mir die winterliche Version von Andrea von Lya und ich (danke nochmal fürs zwischenzeitliche Mutzureden bzgl. meiner Rückenschlitzkrise!). Nicht ganz mein Stil, aber auch eine besondere Umsetzung ist die von MagdaB aus Segeltuch. Ganz klassisch in Olivgrün kommt die Version von Redredhoodie daher und diverse Modelle, teils auch wattiert, finden sich in der Community der russischen Burdastyle.

5.1.2015: Und weil’s so schön war und ist mit dem Parka (in den vorne sogar ein getragenes Baby reinpasst) nominiere ich ihn hier als mein Lieblingsnähprojekt 2014 bei Pattydoo.

Bestrickender Herbst

Strickzeug

Ach Herbst, du meine liebste aller Jahreszeiten. Du verwegener Wind-durch-die-Haare-Wuschler, du Blätter-vor-die-Füße-Werfer, du alles in rotgoldenes-Licht-Taucher. Gerne geselle ich mich zu dir und stricke!

(Die herrliche, zweifädig gestrickte Wolle heißt Drops Delight und wird, wenn sie mal groß und verstrickt ist dieses Babyjäckchen hier. Und diese Hose. Und vielleicht auch noch diese Mütze, wenn dann noch was im Wollkorb übrig ist.)

Dropswolle