Pränataler Nestnähtrieb

Schwangere Frauen entwickeln ja angeblich einen Nestbautrieb. Vielleicht hatte ich so etwas auch. Vielleicht war es aber auch eher ein Nestnähtrieb. Jedenfalls habe ich die Spätschwangerschaft und vor allem die herrlich arbeitsfreien Frühsommertage im Mutterschutz weniger auf der Couch verbracht, als an der Nähmaschine.

Wie herzig, mögen manche jetzt denken, da hat sie ihren dicken Bauch aufopferungsvoll hinter die Maschine geklemmt, um mit letzten pränatalen Kraftreserven Babys Erstausstattung zu nähen.

Na ja, nicht ganz. Erstens ging es mir selten so gut wie in der Schwangerschaft, weshalb sich die Aufopferung in Grenzen hielt. Und zweitens war eines der ersten Nähprojekte eher für Muttern und nur indirekt fürs Baby gedacht: eine Wickeltasche. Ohne mir eine solche je in natura näher angeschaut zu haben, war ich überzeugt, sie unbedingt zu brauchen und hatte gewisse Ansprüche an das optimale Modell:

– Geräumig soll sie sein

– viele Fächer muss sie haben, für Windeln, für Fläschchen und für nicht-Baby-Dinge natürlich auch

– an den Kinderwagen muss sie sich hängen lassen und einigermaßen wetterfest sein

– ein erwachsener Mensch soll sie tragen können, ohne aufgrund ihrer quietschbunten Tierchenmusterung als Teilnehmer eines Kindergartenausflugs gehalten zu werden

Und nach ein bisschen Rumgestöbere im DIY-Internet war klar: eine abnehmbare Wickelunterlage braucht sie auch. Das optimale Modell konnte also nur die großartige „Willow“ von Lillesol & Pelle sein, da war mein Schnäppchen-Ich sogar bereit, mal Geld für einen Schnitt auszugeben. Und was soll ich sagen (*Werbetrommel*): das E-Book ist großartig! Und wie man sieht, ist das Ergebnis mehr als alltagstauglich:

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Die tollen Stoffe habe ich mir größtenteils auf dem Stoffmarkt Holland erjagt: einen beschichteten Stoff mit schickem geometrischen Muster für die Außenklappe …

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… und rotes Sternchen-Wachstuch für die Innenseite der Klappe, die zugleich als ausroll- und abnehmbare Wickelunterlage dient (per Druckknopf vom Taschenrücken zu lösen und per Klettverschluss am Taschenboden komplett abnehmbar). Gepolstert ist die Klappe, wie auch der gesamte Taschenkörper, mit Volumenvlies. Diesen, wie auch Verschlusslasche, Tragegurt und Innentaschen habe ich aus schlichtem, festen Baumwollstoff in Dunkelblau genäht:

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Und fast das schönste ist innen versteckt: der tolle Designerstoff von Riley Blake (der trifft irgendwie immer meinen Geschmack. Es scheint, sobald ich auf dem Stoffmarkt etwas in die Hand nehme oder im Netz etwas anklicke, das mir besonders gut gefällt, steht am Ende Riley Blake drauf … ).

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Das kleine Reißverschlusstäschchen lässt sich übrigens per Karabiner (recycelt von einem alten Schlüsselhalter) abnehmen:

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Kurz und gut: ein echtes Lieblingsteil eben. Das farblich perfekt  zu einem anderen Lieblingsteil passt.

P. S. Auch andere Nähnerds haben schon tolle Willows gezaubert. Besonders gut gefallen mir z.B. die von Raginmar, Made by Steen, Eva’s Leisure und G.Ute’s.

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