Weihnachten? Geschenkt.

Alle Jahre wieder ist es dasselbe in Grün. Im Januar denke ich mir: nie wieder diesen Stress. Dieses Jahr wird alles besser. Ich werde mir, wann immer mir eine Idee für ein Weihnachtsgeschenk für irgendwen kommt, diese sofort notieren, ach was, sofort umsetzen/kaufen/bestellen/whatever, ich werde meinen Lieben die geheimen Wünsche das Jahr über von den Augen ablesen, werde schon im Mai nette Kleinigkeiten und kleine Nettigkeiten auf sonnenbeschienenen Märkten erstehen und in schönwetterleergefegten Geschäften; ich werde im Juli in der Sonne liegen und bis in die laue Nachtluft hinein wie nebenbei an Weihnachtsgeschenken stricken, werde auf der Buchmesse im Herbst genau das finden, wonach es den literarischen Seelen meines Umfelds verlangt und werde Fotos so früh entwickeln, dass sie spätestens am ersten Advent auf selbstgemachten, liebevoll beschriebenenen Weihnachtskarten kleben, die ich gemeinsam mit fernreisenden Päckchen in verwaiste Postfilialen trage.

Wenn es draußen kalt und dunkel ist, werde ich mir eine Kerze anzünden, die Beine hochlegen und denken: wie schön, dass ich so gut vorgesorgt habe. Ich backe ein paar Plätzchen, packe die letzten Geschenke ein und erfreue mich an dem Gedanken an Fußgängerzonen im Vorfeiertagsfieber, die heuer ohne mich delirieren.

Tatsächlich ist es dann so, dass mir im November einfällt: Dieses Jahr mache ich alles selbst. Ich bin Feuer und Flamme. Ich schreibe eine Liste mit Vorhaben für die jährlich wachsende Familie, in der mittlerweile so um die 30 Leute beschenkt werden wollen. Und dann fange ich irgendwann im Dezember an, eine Mütze für den Herrn Papa zu stricken, weil ihm die alte wieder irgendwo vom Kopf gehopst ist. Der Dezember rennt davon und ich merke: ich werde keine 30 Strickpullover mehr fertigstellen, ja, noch nicht mal Pulswärmer sind noch drin und die Mütze für den Herrn Papa wird erst im Morgengrauen des 24. Dezembers abgekettet sein (vielleicht lassen sich die Fäden noch unauffällig unterm Weihnachtsbaum vernähen?). Mir dräut nun, dass ich bald adventsfußgängerzonenfiebern werde, weil die Online-Bestellfristen ablaufen und ich immer noch nicht weiß, was ich den 90 Prozent Männern meiner Familie diesmal schenken soll.

Na ja, den Rest könnt ihr euch denken. (Vollgestopfte Einkaufspassagen-Rolltreppen am 23. Dezember, Schweißausbrüche in Winterklamotte, Last-Christmas-I-gave-you-my-SHUTTHEFUCKUP!-Aggressionen zwischen blinkenden Rentier-Lichterketten, irrlichternder was-kaufe-ich-bloß-Blick zwischen Regalen voller Geschenke-Schund, stundenlanges Anstehen in der letzten verbliebenen Postfiliale umme Ecke … NÄCHSTES JAHR MACHE ICH ALLES ANDERS!)

Nun, es ist wieder November, Baby. Natürlich habe ich dieses Jahr nicht alles anders gemacht, aber selbstredend habe ich wieder die hochtrabende Hoffnung, das Ruder so gerade noch rumreißen zu können. Und deshalb suche ich eure schönsten DIY-Geschenk-Ideen für Tanten zwischen 60 und 70, für eine Horde großer Brüder, für Väter, die nicht mehr so jung sind, wie sie sich fühlen, für Neffen/Nichten, die alle Jahre wieder unter Geschenkebergen versinken und für alle anderen natürlich auch.

Ich biete euch dafür im Tausch auch ein paar kleine Anregungen. Nix wahnsinnig Ausgefallenes, aber gut umsetzbare Geschenke und Geschenk-kompatibles Selbstgenutztes, das schon vor längerer Zeit entstand (will ja schließlich nicht meine diesjährigen Geschenke schon vorzeitig vor den Augen der zu-Beschenkenden veröffentlichen) – Baby-Dinge sind ausgenommen, die folgen noch in einem seperaten Beitrag.

1. Schals für Herren um-die-30

IMG_7028

Geschenke, bei denen man in Serienproduktion gehen und trotzdem individuelle Details anbringen kann, sind die besten. Denkt jetzt bloß nicht, ihr könntet ernsthaft einem halben Dutzend Brüdern/Ehemännern/Cousins Schals stricken, das schafft ihr eh nicht (oder ICH nicht). Aber nähen könntet ihr sie, das ist auch in den letzten Vorweihnachtstagen noch zu schaffen. Für dieses Modell habe ich dereinst zwei Stoffbahnen von ca. 160 x 30 Zentimetern zugeschnitten (geht auch schmaler/kürzer). Am besten eignen sich Jersey oder andere dehnbare Stoffe, in die ich hier und da kurze Streifen schöner Wollstoffe eingesetzt habe (ist in die Gesamtlänge schon mit eingerechnet).

Beide Stoffbahnen rechts auf rechts aufeinander legen, die Längsseiten absteppen, wenden bügeln, und dann noch die kurzen Seiten zusammennähen (letztes Stück von Hand).

Diverse Tutorials für solche Schlauchschals oder Loops gibt es zum Beispiel hier, hier oder hier. Und natürlich lassen sich Loops auch für Frauen oder Kinder nähen, je nach eurem familiären Bedarf …

2. Stulpen für kalte (Frauen-) Hände

IMG_7037

Zugegeben: Verschenkt habe ich diese schönen Stulpen nicht, dafür trage ich sie selber zu gerne. Aber nach diesem tollen Strickmuster lässt sich da vergleichsweise fix auch noch ein Paar für Mütter, Großmütter, Schwestern, Töchter, Schwägerinnen, Freundinnen oder andere liebe Menschen stricken. Und wer mag und ausreichend Zeit hat, schenkt vielleicht auch gleich noch die passende Mütze dazu. (Und denkt dran, das Bündchen mit dünneren Nadeln zu stricken, damit es am Ende nicht so ausgeleiert sitzt wie bei mir! BTW: Lässt sich das eigentlich im Nachhinein irgendwie schön straffen, ohne dass man gleich ein neues Bündchen dranstrickt?)

Norwegermütze-und-Stulpen

3. Ein Tusch für Taschen!

Tasche

Taschen sind so ein Ding, das jeder gerne in verschiedensten Ausführungen hat/gerne hätte, für das sich aber schnell (zu) viel Geld ausgeben lässt, das man dann häufig doch lieber in ein Kleidungsstück investiert. Von daher sind sie ein schönes Geschenk, das sich wahlweise ganz einfach aber auch sehr aufwändig gestalten lässt, je nach Wunsch/Vermögen/Zeit.

Eine Wickeltasche und eine Clutch habe ich euch hier schon mal gezeigt. Das schöne an obigem Modell („Luna“ von Machwerk) ist, dass es sich wenden lässt – da hat der/die Beschenkte dann sogar gleich zwei Taschen in einer. Und überhaupt jede Menge Stauraum. (Bitte nicht so genau auf meine Umsetzung achten: die Tasche stand ganz am Beginn meines Näh-Revivals und ist nicht so ganz optimal geworden damals …)

Wendetasche

Advertisements

3 Gedanken zu „Weihnachten? Geschenkt.

  1. Pingback: Novemberjäckchen | BESTRICKEND UMGARNT

  2. Pingback: Der Rest vom Fest | BESTRICKEND UMGARNT

  3. Pingback: Handgemachte Vorsätz | BESTRICKEND UMGARNT

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s