Von Kopf bis Fuß auf Winter eingestellt

Es ist vollbracht, der Winter kann kommen: mein Sohn ist eingekleidet. Quasi von Kopf bis Fuß auf Winter eingestellt:

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Angefangen hatte ich das ganze etwas früher im Herbst und für Ärmel und Hosenbeine habe ich erstmals auf meine neuen Bambus-Nadelspiele zurückgegriffen, sie für gut befunden – und natürlich gleich eine Nadel zerbrochen (draufgesetzt …).

Die Strickmuster sind alle von Drops Design, ebenso die Wolle „Delight“ in blau-beige. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden, ein bisschen muss ich Drops allerdings auch schelten – aber dazu später.

Im einzelnen sind es folgende Kleidungsstücke geworden:

1. Pilotenmütze

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Das gute Stück ist einfädig gestrickt mit 2,5er-Nadeln. Und auch, wenn ich mir lange nicht vorstellen konnte, wie aus dem seltsam zickzackförmigen Strickstück am Ende eine Mütze werden sollte, ist es eben das nach ein bisschen zusammennähen am Ende doch geworden und ist seit kurzem schon im Einsatz (Bindebänder habe ich weggelassen – muttern mag das fummelige Zeug nicht stricken und Sohnemann mag es nicht ums Kinn geknotet haben …). Ich liebe den Farbverlauf, der bei der Mütze besonders schön herausgekommen ist:

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2. Söckchen

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Ein wunderbares Strickmuster, ganz fix gestrickt – wenn nur das blöde Zusammennähen am Ende nicht wäre, aber gut, das ging auch vorbei. Zufälligerweise waren meine Restknäuele farblich fast identisch, sodass ich ohne viel Gewickel zwei annähernd gleichaussehende Schühchen hinbekommen habe:

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3. Raglanjacke

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Anders als meine bisherigen Raglanjäckchen wird dieses Modell nicht von oben nach unten in einem Stück gestrickt, sondern von unten nach oben und die separat gestrickten Ärmel dann mit aufgenommen. Dadurch entsteht ein größeres Loch unterm Arm, das am Ende dann noch zusammengenäht werden muss. Die Knöpfe sind aus Kokosnussholz mit Keramikoberfläche.

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Anders als Mütze und Socken wird die Jacke mit dickeren Nadeln (4 und 4,5) und zweifädig gestrickt und hat entsprechend einen ganz anderen, weniger akkuraten Farbverlauf, ähnlich wie die …

4. Hose

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Auch dieses Modell ist zweifädig gestrickt (Nadeln 3,5) und kommt im Gegensatz zu den anderen Stücken fast gänzlich ohne Näherei aus (nur ein kleiner Schlitz im Schritt muss geschlossen werden). Wie auch bei der Jacke die Ärmel sind die Hosenbeine unterschiedlich gemustert, da ich nicht alle Knäuel abwickeln wollte, um ähnlichfarbigen Faden zu finden.

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Und nun, wie angekündigt, zu meiner Drops-Schelte: An sich bin ich mit den Strickmustern ja hochzufrieden. Die Größenangaben sind allerdings ein wenig wirr, denn die Stücke fallen teils kleiner, teils größer als angegeben aus, was nicht alleine mit meinem Strickverhalten und der überdurchschnittlichen Größe meines Sohnes zu erklären ist. Ich habe folgende Größen gewählt:

1. Mütze: Entsprechend der Zentimeterangaben habe ich 12-18 Monate gewählt – sie fällt entsprechend aus und passt meinem Sohn im Grunde jetzt schon mit 4 Monaten, ist aber wohl groß genug, dass er sie auch den ganzen Winter über noch tragen kann, da ist noch Luft. Ganz im Gegensatz zu ….

2. den Socken: Die habe ich, entsprechend der Zentimeterangaben, eine Größe kleiner gestrickt (6-9 Monate). So sollten sie eigentlich 11 Zentimeter-Füßchen passen, sind aber den 10-Zentimeter-Füßen meines Sohnes jetzt schon fast zu eng. Es geht gerade noch, aber vermutlich muss ich bald noch ein zweites, größeres Paar nachstricken. (Obwohl ich mich doch eigentlich jetzt an die Weihnachtsgeschenke setzen wollte, verdammt!)

3. Die Jacke: Deren Größe fällt völlig aus dem Rahmen. Ich habe sie sogar vorsorglich schon in der kleineren Größe (6-9 Monate) angeschlagen, trotzdem ist sie riesig und fällt eigentlich sogar noch größer aus als:

4. Die Hose, die ich in Größe 12-18 Monate gestrickt habe und die mein Sohn jetzt schon trägt. Zwar gekrempelt und sicherlich auch noch einige Monate, aber bis ihm die dem Schnitt nach eigentlich kleinere Jacke passt, ist er aus der Büx vermutlich schon wieder rausgewachsen.

Die zweite Drops-Schelte gilt der (an sich sehr schönen) Wolle. Denn in mehreren Knäuelen war der Faden geknotet und zudem verheddert/verfilzt der Faden relativ schnell.

Aber davon abgesehen, war alles gut und: der Winter kann kommen!

Und bei euch? Zeigt mir eure Winter-Kinder-Outfits!

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Kasten-Kleid

Achtung, jetzt kommt ein Karton! Es sollte eigentlich mal ein Kleid werden, wenn es groß ist, aber dann wurde es kastiger als Bernd das Brot.

Aber von vorne.

Ich hatte einige Zeit die Burdastyle abonniert. Ich dachte, das macht man so als Nähnerd. Monat für Monat habe ich mich über manche Modelle gewundert (was ist das? Wer trägt sowas? Warum?) und bei vielen weiteren gedacht: das nähe ich nach, unbedingt, ein Traum. Umgesetzt habe ich es dann meistens nicht. (Deswegen habe ich das Abo auch irgendwann abbestellt. Zu viel Frust, wenn monatlich so viel verlockende Schnittmuster ins Haus flattern und dann ungenäht im Regal verstauben.)

Manchmal habe ich dann aber doch etwas genäht. Zum Beispiel dieses Kleid.

Es gibt ja so Modelle, da denkt man: Toller Schnitt, aber dieser Stoff, den die da genommen haben geht gar nicht. Bei diesem aber dachte ich: genau SO muss es sein.

Na ja, nur leider … – siehe oben, Stichwort Bernd. Meine Figur ist scheinbar nicht Burdastyle-kompatibel, fürchte ich. So verunsichert hat mich der an sich einfach zu nähende, aber dann so gar nicht sitzende Kasten-Schnitt, dass ich am Ende noch nicht mal die Schluppe angenäht habe, die mich an diesem Modell doch so ganz besonders angelacht hatte.

Trotzdem liebe ich dieses Kleid irgendwie. Es sitzt wie ein Sack. Es ist in der Taille weit, am Hintern eng und wenn man die Hände in den Nahttaschen versenkt wirft es komische Falten. Bis heute habe ich keine wirklich passende Strumpfhose/Leggins im Schrank.

Aber mit dem 1-Euro-Flohmarkt-Schal …

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… mit ein bisschen Vintage-Treppenhaus, Gürtel und Riesen-Ledertasche …

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… mit ausgelatschten Lieblingsstiefeln, ungekämmten Haaren und heißgeliebtem Schlabberjäckchen …

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… sieht es am Ende irgendwie doch ganz unauffällig charmant nach mehr aus als Bernd – und passt zu seiner Trägerin, die es momentan in ihrer Herbstgarderobe schmerzlich vermisst (weil: leider absolut inkompatibel mit ständigem oben-offen-Alltag als noch-stillende Säuglingsmama …) und es trotzdem morgen früh zum MeMadeMittwoch schickt.

 

Novemberjäckchen

Ja, ich weiß: ich habe heute schon was gebloggt. Aber ich wollte euch doch endlich noch Babys neues Jäckchen zeigen, das schon vor Wochen fast fertig war und bloß noch auf seine Knöpfe wartete.

Nun ist es schon eine ganze Weile in Gebrauch und Sohnemann ist darin erstmals mit Zug und Auto durch die halbe Republik getourt (weshalb das Jäckchen zwar vielerorts, bloß bislang nicht hier im Blog auftauchte, ebensowenig wie andere neue Blog-Einträge).

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(Am Rande mit im Bild: meine ebenfalls hier gezeigte Babydecke).

Nach einem längeren Besuch beim lokalen Kurzwaren-Dealer meines Vertrauens, fiel die Wahl letztendlich auf blaue Segelschiffchen-Knöpfe (ganz pragmatisch aus Plastik):

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Bis auf die lange aufgeschobene Knopffrage und das Fadenvernähen, war das Jäckchen wirklich schnell und unkompliziert gestrickt, dank des netten Strickmusters von Keya Kuhn mit Raglanpasse.

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Zumindest von der gelben Wolle habe ich immer noch eine ganze Menge übrig. Aber bis daraus noch eine Hose, eine Mütze oder wenigstens Söckchen geworden sind, ist das Jäckchen meiner kleinen Wuchtbrumme wahrscheinlich schon wieder zu klein. Oder ich musste die Weihnachtsgeschenkeproduktion endgültig aufgeben. Also besser schnell ab damit zum November-Kiddikram, zu my kid wears und zum Mamawerk am Montag (ja, ja, ertappt: ich probiere gerade lustig Bloggerpartys aus …).

Weihnachten? Geschenkt.

Alle Jahre wieder ist es dasselbe in Grün. Im Januar denke ich mir: nie wieder diesen Stress. Dieses Jahr wird alles besser. Ich werde mir, wann immer mir eine Idee für ein Weihnachtsgeschenk für irgendwen kommt, diese sofort notieren, ach was, sofort umsetzen/kaufen/bestellen/whatever, ich werde meinen Lieben die geheimen Wünsche das Jahr über von den Augen ablesen, werde schon im Mai nette Kleinigkeiten und kleine Nettigkeiten auf sonnenbeschienenen Märkten erstehen und in schönwetterleergefegten Geschäften; ich werde im Juli in der Sonne liegen und bis in die laue Nachtluft hinein wie nebenbei an Weihnachtsgeschenken stricken, werde auf der Buchmesse im Herbst genau das finden, wonach es den literarischen Seelen meines Umfelds verlangt und werde Fotos so früh entwickeln, dass sie spätestens am ersten Advent auf selbstgemachten, liebevoll beschriebenenen Weihnachtskarten kleben, die ich gemeinsam mit fernreisenden Päckchen in verwaiste Postfilialen trage.

Wenn es draußen kalt und dunkel ist, werde ich mir eine Kerze anzünden, die Beine hochlegen und denken: wie schön, dass ich so gut vorgesorgt habe. Ich backe ein paar Plätzchen, packe die letzten Geschenke ein und erfreue mich an dem Gedanken an Fußgängerzonen im Vorfeiertagsfieber, die heuer ohne mich delirieren.

Tatsächlich ist es dann so, dass mir im November einfällt: Dieses Jahr mache ich alles selbst. Ich bin Feuer und Flamme. Ich schreibe eine Liste mit Vorhaben für die jährlich wachsende Familie, in der mittlerweile so um die 30 Leute beschenkt werden wollen. Und dann fange ich irgendwann im Dezember an, eine Mütze für den Herrn Papa zu stricken, weil ihm die alte wieder irgendwo vom Kopf gehopst ist. Der Dezember rennt davon und ich merke: ich werde keine 30 Strickpullover mehr fertigstellen, ja, noch nicht mal Pulswärmer sind noch drin und die Mütze für den Herrn Papa wird erst im Morgengrauen des 24. Dezembers abgekettet sein (vielleicht lassen sich die Fäden noch unauffällig unterm Weihnachtsbaum vernähen?). Mir dräut nun, dass ich bald adventsfußgängerzonenfiebern werde, weil die Online-Bestellfristen ablaufen und ich immer noch nicht weiß, was ich den 90 Prozent Männern meiner Familie diesmal schenken soll.

Na ja, den Rest könnt ihr euch denken. (Vollgestopfte Einkaufspassagen-Rolltreppen am 23. Dezember, Schweißausbrüche in Winterklamotte, Last-Christmas-I-gave-you-my-SHUTTHEFUCKUP!-Aggressionen zwischen blinkenden Rentier-Lichterketten, irrlichternder was-kaufe-ich-bloß-Blick zwischen Regalen voller Geschenke-Schund, stundenlanges Anstehen in der letzten verbliebenen Postfiliale umme Ecke … NÄCHSTES JAHR MACHE ICH ALLES ANDERS!)

Nun, es ist wieder November, Baby. Natürlich habe ich dieses Jahr nicht alles anders gemacht, aber selbstredend habe ich wieder die hochtrabende Hoffnung, das Ruder so gerade noch rumreißen zu können. Und deshalb suche ich eure schönsten DIY-Geschenk-Ideen für Tanten zwischen 60 und 70, für eine Horde großer Brüder, für Väter, die nicht mehr so jung sind, wie sie sich fühlen, für Neffen/Nichten, die alle Jahre wieder unter Geschenkebergen versinken und für alle anderen natürlich auch.

Ich biete euch dafür im Tausch auch ein paar kleine Anregungen. Nix wahnsinnig Ausgefallenes, aber gut umsetzbare Geschenke und Geschenk-kompatibles Selbstgenutztes, das schon vor längerer Zeit entstand (will ja schließlich nicht meine diesjährigen Geschenke schon vorzeitig vor den Augen der zu-Beschenkenden veröffentlichen) – Baby-Dinge sind ausgenommen, die folgen noch in einem seperaten Beitrag.

1. Schals für Herren um-die-30

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Geschenke, bei denen man in Serienproduktion gehen und trotzdem individuelle Details anbringen kann, sind die besten. Denkt jetzt bloß nicht, ihr könntet ernsthaft einem halben Dutzend Brüdern/Ehemännern/Cousins Schals stricken, das schafft ihr eh nicht (oder ICH nicht). Aber nähen könntet ihr sie, das ist auch in den letzten Vorweihnachtstagen noch zu schaffen. Für dieses Modell habe ich dereinst zwei Stoffbahnen von ca. 160 x 30 Zentimetern zugeschnitten (geht auch schmaler/kürzer). Am besten eignen sich Jersey oder andere dehnbare Stoffe, in die ich hier und da kurze Streifen schöner Wollstoffe eingesetzt habe (ist in die Gesamtlänge schon mit eingerechnet).

Beide Stoffbahnen rechts auf rechts aufeinander legen, die Längsseiten absteppen, wenden bügeln, und dann noch die kurzen Seiten zusammennähen (letztes Stück von Hand).

Diverse Tutorials für solche Schlauchschals oder Loops gibt es zum Beispiel hier, hier oder hier. Und natürlich lassen sich Loops auch für Frauen oder Kinder nähen, je nach eurem familiären Bedarf …

2. Stulpen für kalte (Frauen-) Hände

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Zugegeben: Verschenkt habe ich diese schönen Stulpen nicht, dafür trage ich sie selber zu gerne. Aber nach diesem tollen Strickmuster lässt sich da vergleichsweise fix auch noch ein Paar für Mütter, Großmütter, Schwestern, Töchter, Schwägerinnen, Freundinnen oder andere liebe Menschen stricken. Und wer mag und ausreichend Zeit hat, schenkt vielleicht auch gleich noch die passende Mütze dazu. (Und denkt dran, das Bündchen mit dünneren Nadeln zu stricken, damit es am Ende nicht so ausgeleiert sitzt wie bei mir! BTW: Lässt sich das eigentlich im Nachhinein irgendwie schön straffen, ohne dass man gleich ein neues Bündchen dranstrickt?)

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3. Ein Tusch für Taschen!

Tasche

Taschen sind so ein Ding, das jeder gerne in verschiedensten Ausführungen hat/gerne hätte, für das sich aber schnell (zu) viel Geld ausgeben lässt, das man dann häufig doch lieber in ein Kleidungsstück investiert. Von daher sind sie ein schönes Geschenk, das sich wahlweise ganz einfach aber auch sehr aufwändig gestalten lässt, je nach Wunsch/Vermögen/Zeit.

Eine Wickeltasche und eine Clutch habe ich euch hier schon mal gezeigt. Das schöne an obigem Modell („Luna“ von Machwerk) ist, dass es sich wenden lässt – da hat der/die Beschenkte dann sogar gleich zwei Taschen in einer. Und überhaupt jede Menge Stauraum. (Bitte nicht so genau auf meine Umsetzung achten: die Tasche stand ganz am Beginn meines Näh-Revivals und ist nicht so ganz optimal geworden damals …)

Wendetasche

RUMS, das ist ein Abendkleid

Gestern gab ich meinen Einstand beim Me Made Mittwoch – und heute leg ich nach mit einem RUMS. Während mein gestriger Parka aber tatsächlich gerade erst unterm Nähfuß hervorgekrochen ist, hat mein heutiges Projekt mich zwar ähnlich viele Nerven gekostet, ruht aber schon ein wenig länger im Kleiderschrank.

Allmählich im Alter angelangt, wo man ständig auf anderer Leute Hochzeiten tanzt, habe ich mich mal an ein Abendkleid gewagt. Der Schnitt stammt mal wieder von Burdastyle und wurde noch ergänzt um dieses Bolerojäckchen und eine Clutch.

Die Stoffe habe ich mir bei einem langen Bummel über den Stoffmarkt Holland zusammengesucht. Es ist ein Taft in, ich glaube man nennt das „brombeersaftfarben“, und eine wunderschöne orangene Seide, die in eben jenem Brombeersaftton schillert und daher optimal zum Kleiderstoff passt.

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Fertig sieht das ganze gerade etwas zerknittert aus, weil nach dem Tragen nicht nochmal gebügelt (und zumindest die Jacke kam schon mehr als einmal zum Einsatz) …

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… und getragen präsentiert es sich, wie man es auch dreht und wendet, so:

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Abendkleid

Clutch

Am Kleid hat mich vor allem die Korsage herausgefordert. Die saß nicht ganz so wie sie sollte, weshalb ich an den Rückennähten des Kleides immer noch mal herumdoktern musste, damit das Kleid einigermaßen auf meiner Figur sitzen blieb. Die Korsage blitzte denn auch immer mal unter dem gekreuzten Ausschnitt hervor, außerdem fühlte ich mich doch ein wenig unwohl in dem trägerlosen Kleid, das nicht so richtig bombenfest über meiner Oberweite verweilen wollte, weshalb ich dauernd am Ausschnitt rumgezuppelt habe. Irgendwann frühmorgens ist dann auch noch ein Korsagenstäbchen durchs Futter ausgebrochen … :-/

Kurz: Ob das Kleid nochmal zum Einsatz kommt, weiß ich noch nicht so recht. Wahrscheinlich würde ich vorher zumindest noch schmale Träger ransetzen oder so, um des Tragekomforts Willen. Die Jacke und Clutch habe ich aber schon viele Male zu anderen Kleidern und Hochzeiten kombiniert – ebenso wie die Schuhe, die aber zumeist nach ein paar Tänzchen zur Seite geschleudert wurden. Ihr wisst schon, um des Tragekomforts Willen …

Habt ihr euch auch schon mal an Abendgarderobe gewagt? Zeigt her, zeigt her!

MeMadeMittwoch macht den Parka fertig

Lange war es still hier im Blog. Drei Schnupfen wollten auskuriert, die Buchmesse besucht, Besuch bewirtet, der lädierte Rücken verarztet – und vor allem der Parka endlich fertiggenäht werden. Und voila, pünktlich zum heutigen Me Made Mittwoch ist es endlich soweit. Okay, ehrlich gesagt habe ich vergessen die Kapuzenbänder einzuziehen und die Wendeöffnung im Futter ist noch nicht zugenäht, aber das würde ja keine*r sehen, hätte ich es euch nicht just verraten. Also ein großer Tusch und Vorhang auf für mein vor Urzeiten begonnenes Stück Herbstgarderobe, das ich nun tatsächlich noch im Herbst tragen kann:

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An der Frau sieht das gute Stück ganz schön groß aus, denn der Schnitt (Modell 129 aus der Burdastyle 9/2012) fällt riesig aus (und hat riesige Taschen … und eine wirklich riesige Kapuze …). Dank der Taillendurchzugbänder lässt es sich aber gut auf Linie bringen und außerdem ist ein bisschen Platz für dicke Pullis bei einer Wind-und-Wetter-Jacke ja auch nicht das schlechteste.

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(Entschuldigt bitte die mäßige Fotoqualität. Der persönliche Blogassistent meiner Wahl hatte heute leider überhaupt gar keine Zeit und hat mich daher nur in zwei Minuten per Handykamera auf dem Weg zur S-Bahn ganz fix abgelichtet, auf mein drängendes MeMadeMittwoch-Betteln hin … der Rest musste dann per Spiegel-Selfie ergänzt werden). Voller Stolz habe ich den Parka heute das erste Mal ausgeführt. Dabei sind einige Details alles andere als perfekt geworden, zumal sich mein gewachster Stoff nicht bügeln lässt, aber ich bin im Großen und Ganzen zufrieden – und habe nach zwischenzeitlicher Ratlosigkeit bzgl. einiger Arbeitsschritte, viel Gegoogle und Durchwurschteln auch einiges dazu gelernt: Tunnelzugdurchzugschlitze verstürzen, zum Beispiel. Oder eine verdeckte Knopflochleiste nähen. Abgesehen von den Ärmelbündchen, bei denen ich den Gummizug weggelassen habe und stattdessen gerne mal das (irgendwie improvisiert eingenähte) Ärmelfutter nach außen klappe, habe ich den sehr detailreichen Schnitt unverändert gelassen. Zur Materialwahl hatte ich ja im ersten Parka-Beitrag schon ein bisschen was gesagt. Dazu sind seither noch wunderschöne Knöpfe aus Kokosholz hinzugekommen …Parka_Knopf

… um die es angesichts der verdeckten Knopflochleiste fast ein wenig schade ist, aber dann muss ich die Jacke eben öfters mal offen tragen. Zu dem Schnitt gibt es übrigens auch einige andere schöne Modelle im Netz zu bewundern. Ganz besonders gut, was Umsetzung und Materialwahl angeht, gefällt mir die winterliche Version von Andrea von Lya und ich (danke nochmal fürs zwischenzeitliche Mutzureden bzgl. meiner Rückenschlitzkrise!). Nicht ganz mein Stil, aber auch eine besondere Umsetzung ist die von MagdaB aus Segeltuch. Ganz klassisch in Olivgrün kommt die Version von Redredhoodie daher und diverse Modelle, teils auch wattiert, finden sich in der Community der russischen Burdastyle.

5.1.2015: Und weil’s so schön war und ist mit dem Parka (in den vorne sogar ein getragenes Baby reinpasst) nominiere ich ihn hier als mein Lieblingsnähprojekt 2014 bei Pattydoo.

Reinmaschige Damenoberbekleidung

Ich habe in meinem Leben viele Mützen gestrickt. Zipfelige, bommelige, ausgeleierte, längst verlorene, verschenkte, noch immer getragene. Ich habe einige Schals gestrickt. Patente, Schlauchschals, glattrechts-sich-einrollende, fusselnde, von Motten zerfressene, ausgeleierte, puppenhaft schmale kurze, geringelte. Zwei paar Socken waren auch mal dabei, eines zu groß, eines in der ersten Wäsche zu Filz verwaschen (Kindheitstrauma!). Ich habe ein Schwein gestrickt und einen Elefanten, einen Waschbär, einen Teddy und allerlei anderes Waldorfschulgetier, dessen Verbleib mir unbekannt ist.

Was ich lange nicht gewagt habe zu stricken, war wirklich brauchbare Maschenmode. Keine Spielereien, keine Accessoires, nein, ernsthafte Kleidungsstücke. Einen Pullover zum Beispiel. Ich dachte: das dauert viel zu lange. Ich dachte: so lange halte ich vielleicht nicht durch. Ich dachte: am Ende passt es nicht. Und wie man hier sieht, hatte ich damit ja teilweise auch recht.

Irgendwann habe ich es dann aber doch gewagt. Und so darf ich nun immerhin zwei Stück reinmaschige Damenoberbekleidung mein eigen nennen, die zu meiner eigenen Zufriedenheit ausgefallen und tragbar sind

Modell Nr. 1 habe ich in einem kostenlos bei Karstadt rumliegenden „Für Sie Extra“ (Oktober 2010) entdeckt …

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… und nach langem Liebäugeln im vergangenen Winter endlich mal auf- und schließlich auch abgenadelt. Verstrickt habe ich dafür – wie in der Anleitung vorgesehen – rund 700 Gramm Schachenmayr-Wolle „Boston“, allerdings nicht in mausgrau, sondern in kräftigem Rot:

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Modell Nr.2 ist ebenfalls eine Longweste und hat mindestens genauso viel Spaß gemacht, weil es aufgrund der unterschiedlichen Muster schön abwechslungsreich und mit dicken 7er-Nadeln auch erstaunlich schnell gestrickt war.

Das Muster stammt aus der „Sandra Stricken“ (Nr. 4/2010), die Wolle heißt Clou (Farbe Kiwi) und ich habe sie, wie vorgesehen, direkt als Garnpaket bei Junghans-Wolle geordert. Auch wenn die Weste etwas schlabbrig hängt, trage ich sie auch nach ein, zwei Wintern immer noch mit Freude und dem Stolz auf das erste große Teil:

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Heldin in Strumpfhosen oder: Kuriositätenkabinett der unvollendeten Strickwerke

Eigentlich stricke ich zielgerichtet. Also mit dem Ziel, irgendwann fertig zu werden. Am besten irgendwann im Herbst, irgendwann vor dem Winter, irgendwann bevor es so richtig kalt ist, irgendwann dann, wenn man sich gerne in ne ganz neue Masche hüllen würde, um der Kälte zu trotzen. Irgendwann dann.

Aber irgendwann ist ein dehnbarer Begriff. Und wenn sich dann die unfertigen Projekte im  70er-Jahre-Strickkörbchen (yeah, all ihr shabby-chic-Hipster, ich bin ja selbst so vintage!) stapeln, weil ich irgendwann unterwegs – nun, ja … – den Faden verloren habe, dann dämmert mir langsam: der Strickweg ist das Ziel.

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Aber eigentlich ist das nur eine lahme Rechtfertigung dafür, dass da irgendwas ziemlich verstrickt ist und aufgeribbelt gehört. Oder verschenkt an Menschen mit anderer Figur. Wagen wir also einen Blick in dieses Kuriositätenkabinett namens Strickkorb der unvollendeten oder vollendet untragbaren Strickwerke

1. Die Pullunderwurst mit Ärmelsack

Es fing so schön an. Mit dem Kauf einer Strickzeitschrift. Mit dem Ankreuzen jeden zweiten Modells. Mit dem Bestellen gleich mehrerer eigentlich viel zu teuerer Garnpakete. Mit dem übermotivierten parallel-Losstricken mehrerer Projekte. Numero uno sollte ein Pullover werden (im Bild rechts, der kleine mit der schlichten Flechtfrisur).

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Es war ein schönes Gestricke. Weiche Wolle, simples Strickmuster. So simpel, dass ich vor lauter Glattrechts-Stricken mit hauchzartem Faden irgendwann aus lauter Langeweile und Nebenher-Gestricke vergaß wo ich war und es mit den Maschen-Zunahmen nicht mehr so genau nahm. Am Ende hatte ich einen wurstig sitzenden Pullunder und einen Ärmelsack, der irgendwie, irgendwo, irgendwann so breit und unförmig geworden war, dass Ärmel Nr. zwei erst gar nicht den Weg auf die Nadeln fand.

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2. Das lange, lange kurze Braune

Ja, ist es nicht hübsch? Dieses kurze Braune mit dem raffiniert verschlungenen Vorderteil? Fand ich auch. Das war vor, mmh, vier Jahren. Da erschien das Rebecca-Heft 44, aus dem dieses, wie auch die anderen schönen Modelle stammen.

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Wieder diese hauchzarte Wolle, wieder glatt rechts gestrickt und diesmal sorgt noch nicht mal ein Zopf für Abwechslung. Millimeter um Millimeter wuchs das lange, lange kurze Kleid – Winter für Winter, immer dann, wenn mich das schlechte Gewissen wieder heimsuchte.

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Mittlerweile ist das Hinterteil fertig und das Vorderteil fast. Aber weitergestrickt habe ich schon seit dem letzten Winter nicht mehr. Es graut mir vor dem laaaangsamen Millimeter-Wachstum. Davor, dass ich gar nicht mehr weiß, an welcher Stelle im Strickmuster ich steckenstehengeblieben war. Davor, dass noch zwei laaaange Kurzärmel fehlen. Es graut mir vor ewig langen ungenähten Nähten. Und davor, dass es am Ende dann so sitzt wie der verbockte Rock …

3. Der Verbockte Rock

Der verbockte Rock ist immerhin fertiggeworden. Hat auch gar nicht so lange gedauert und sieht doch super aus, oder nicht?

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Ja, in der Zeitschrift schon. Und auf dem (Vintage! Shabby!) Parkettboden auch. An mir aber nicht. Da verwandelt sich der Rock in einen Hinternwärmer …

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… in dem ich mich selbst dann wie eine alberne Heldin in Strumpfhosen fühle, wenn ich nur incognito vor dem Schlafzimmerschrank posiere. Robin Hood hätte dieses wollige Etwas sicherlich mit Würde getragen. Ich selbst, mmh: nein.

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So und jetzt seid ihr dran: welche unfertigen oder gescheiterten Strickwerke habt ihr im Körbchen? Kommt schon, traut euch!

 

Pränataler Nestnähtrieb

Schwangere Frauen entwickeln ja angeblich einen Nestbautrieb. Vielleicht hatte ich so etwas auch. Vielleicht war es aber auch eher ein Nestnähtrieb. Jedenfalls habe ich die Spätschwangerschaft und vor allem die herrlich arbeitsfreien Frühsommertage im Mutterschutz weniger auf der Couch verbracht, als an der Nähmaschine.

Wie herzig, mögen manche jetzt denken, da hat sie ihren dicken Bauch aufopferungsvoll hinter die Maschine geklemmt, um mit letzten pränatalen Kraftreserven Babys Erstausstattung zu nähen.

Na ja, nicht ganz. Erstens ging es mir selten so gut wie in der Schwangerschaft, weshalb sich die Aufopferung in Grenzen hielt. Und zweitens war eines der ersten Nähprojekte eher für Muttern und nur indirekt fürs Baby gedacht: eine Wickeltasche. Ohne mir eine solche je in natura näher angeschaut zu haben, war ich überzeugt, sie unbedingt zu brauchen und hatte gewisse Ansprüche an das optimale Modell:

– Geräumig soll sie sein

– viele Fächer muss sie haben, für Windeln, für Fläschchen und für nicht-Baby-Dinge natürlich auch

– an den Kinderwagen muss sie sich hängen lassen und einigermaßen wetterfest sein

– ein erwachsener Mensch soll sie tragen können, ohne aufgrund ihrer quietschbunten Tierchenmusterung als Teilnehmer eines Kindergartenausflugs gehalten zu werden

Und nach ein bisschen Rumgestöbere im DIY-Internet war klar: eine abnehmbare Wickelunterlage braucht sie auch. Das optimale Modell konnte also nur die großartige „Willow“ von Lillesol & Pelle sein, da war mein Schnäppchen-Ich sogar bereit, mal Geld für einen Schnitt auszugeben. Und was soll ich sagen (*Werbetrommel*): das E-Book ist großartig! Und wie man sieht, ist das Ergebnis mehr als alltagstauglich:

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Die tollen Stoffe habe ich mir größtenteils auf dem Stoffmarkt Holland erjagt: einen beschichteten Stoff mit schickem geometrischen Muster für die Außenklappe …

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… und rotes Sternchen-Wachstuch für die Innenseite der Klappe, die zugleich als ausroll- und abnehmbare Wickelunterlage dient (per Druckknopf vom Taschenrücken zu lösen und per Klettverschluss am Taschenboden komplett abnehmbar). Gepolstert ist die Klappe, wie auch der gesamte Taschenkörper, mit Volumenvlies. Diesen, wie auch Verschlusslasche, Tragegurt und Innentaschen habe ich aus schlichtem, festen Baumwollstoff in Dunkelblau genäht:

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Und fast das schönste ist innen versteckt: der tolle Designerstoff von Riley Blake (der trifft irgendwie immer meinen Geschmack. Es scheint, sobald ich auf dem Stoffmarkt etwas in die Hand nehme oder im Netz etwas anklicke, das mir besonders gut gefällt, steht am Ende Riley Blake drauf … ).

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Das kleine Reißverschlusstäschchen lässt sich übrigens per Karabiner (recycelt von einem alten Schlüsselhalter) abnehmen:

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Kurz und gut: ein echtes Lieblingsteil eben. Das farblich perfekt  zu einem anderen Lieblingsteil passt.

P. S. Auch andere Nähnerds haben schon tolle Willows gezaubert. Besonders gut gefallen mir z.B. die von Raginmar, Made by Steen, Eva’s Leisure und G.Ute’s.

Hoodie-Journalismus

Was so eine echte Bloggerin sein will, die muss sich ja wenigstens gelegentlich an virtuelle Dresscodes halten. Und angeblich trägt, wer online schreibt, ja vor allem eines: Kapuze. Hier also kommt mein Nachtrag zur Hoodie-Journalismus-Debatte, die vor einigen Monaten durchs Netz kapuzelte.

Nicht, weil ich, was hier geschieht, zwingend Journalismus nennen würden – sondern einfach, weil der gute alte Hoodie halt so bequem ist. Und perfekt, wenn draußen die Herbstwinde einsetzen und das Baby seinen ersten Schnupfen an Mamas Oberbekleidung abrotzen möchte (solltet ihr also Flecken auf dem schönen Blau entdecken, handelt es sich dabei nicht um Materialfehler, sondern um 1-a-Baby-Schnodder).

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Überhaupt braucht jeder und jede einfach einen guten alten Schlunzpulli zum drin-Rumlümmeln. Dieses Modell hier erfüllt dieses Bedürfnis perfekt und war nach der Super-Anleitung „Pauline“ von Miou Miou auch ziemlich fix genäht.

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Von vorne wie von hinten ein echtes Lieblingsteil, kuschelig-gemütlich aus Bio-Baumwoll-Sweat und -Jersey von Nelly-Morelly.

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Nun gut, eine Nummer größer könnte er fast sein und die Ärmelbündchen hab ich falsch zugeschnitten, weshalb sie nun je zwei Nähte haben. Stört mich aber eigentlich überhaupt nicht. Und wenn doch, nähe ich mir einfach noch einen – Hoodies gehen immer.

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Habt ihr auch so ein Lieblingsteil? Zeigt her eure Schlunzgemütlichrumgelümmel-Kapuzenpullis!