Reinmaschige Damenoberbekleidung

Ich habe in meinem Leben viele Mützen gestrickt. Zipfelige, bommelige, ausgeleierte, längst verlorene, verschenkte, noch immer getragene. Ich habe einige Schals gestrickt. Patente, Schlauchschals, glattrechts-sich-einrollende, fusselnde, von Motten zerfressene, ausgeleierte, puppenhaft schmale kurze, geringelte. Zwei paar Socken waren auch mal dabei, eines zu groß, eines in der ersten Wäsche zu Filz verwaschen (Kindheitstrauma!). Ich habe ein Schwein gestrickt und einen Elefanten, einen Waschbär, einen Teddy und allerlei anderes Waldorfschulgetier, dessen Verbleib mir unbekannt ist.

Was ich lange nicht gewagt habe zu stricken, war wirklich brauchbare Maschenmode. Keine Spielereien, keine Accessoires, nein, ernsthafte Kleidungsstücke. Einen Pullover zum Beispiel. Ich dachte: das dauert viel zu lange. Ich dachte: so lange halte ich vielleicht nicht durch. Ich dachte: am Ende passt es nicht. Und wie man hier sieht, hatte ich damit ja teilweise auch recht.

Irgendwann habe ich es dann aber doch gewagt. Und so darf ich nun immerhin zwei Stück reinmaschige Damenoberbekleidung mein eigen nennen, die zu meiner eigenen Zufriedenheit ausgefallen und tragbar sind

Modell Nr. 1 habe ich in einem kostenlos bei Karstadt rumliegenden „Für Sie Extra“ (Oktober 2010) entdeckt …

Roter Cardigan_Strickmuster

… und nach langem Liebäugeln im vergangenen Winter endlich mal auf- und schließlich auch abgenadelt. Verstrickt habe ich dafür – wie in der Anleitung vorgesehen – rund 700 Gramm Schachenmayr-Wolle „Boston“, allerdings nicht in mausgrau, sondern in kräftigem Rot:

Roter Strickcardigan3

Roter Strickcardigan4Roter Strickcardigan2

Modell Nr.2 ist ebenfalls eine Longweste und hat mindestens genauso viel Spaß gemacht, weil es aufgrund der unterschiedlichen Muster schön abwechslungsreich und mit dicken 7er-Nadeln auch erstaunlich schnell gestrickt war.

Das Muster stammt aus der „Sandra Stricken“ (Nr. 4/2010), die Wolle heißt Clou (Farbe Kiwi) und ich habe sie, wie vorgesehen, direkt als Garnpaket bei Junghans-Wolle geordert. Auch wenn die Weste etwas schlabbrig hängt, trage ich sie auch nach ein, zwei Wintern immer noch mit Freude und dem Stolz auf das erste große Teil:

Grüner StrickcardiganGrüner Strickcardigan2Grüner Strickcardigan3

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Heldin in Strumpfhosen oder: Kuriositätenkabinett der unvollendeten Strickwerke

Eigentlich stricke ich zielgerichtet. Also mit dem Ziel, irgendwann fertig zu werden. Am besten irgendwann im Herbst, irgendwann vor dem Winter, irgendwann bevor es so richtig kalt ist, irgendwann dann, wenn man sich gerne in ne ganz neue Masche hüllen würde, um der Kälte zu trotzen. Irgendwann dann.

Aber irgendwann ist ein dehnbarer Begriff. Und wenn sich dann die unfertigen Projekte im  70er-Jahre-Strickkörbchen (yeah, all ihr shabby-chic-Hipster, ich bin ja selbst so vintage!) stapeln, weil ich irgendwann unterwegs – nun, ja … – den Faden verloren habe, dann dämmert mir langsam: der Strickweg ist das Ziel.

Strickkorb

Aber eigentlich ist das nur eine lahme Rechtfertigung dafür, dass da irgendwas ziemlich verstrickt ist und aufgeribbelt gehört. Oder verschenkt an Menschen mit anderer Figur. Wagen wir also einen Blick in dieses Kuriositätenkabinett namens Strickkorb der unvollendeten oder vollendet untragbaren Strickwerke

1. Die Pullunderwurst mit Ärmelsack

Es fing so schön an. Mit dem Kauf einer Strickzeitschrift. Mit dem Ankreuzen jeden zweiten Modells. Mit dem Bestellen gleich mehrerer eigentlich viel zu teuerer Garnpakete. Mit dem übermotivierten parallel-Losstricken mehrerer Projekte. Numero uno sollte ein Pullover werden (im Bild rechts, der kleine mit der schlichten Flechtfrisur).

Blauer Strickpulli_Muster

Es war ein schönes Gestricke. Weiche Wolle, simples Strickmuster. So simpel, dass ich vor lauter Glattrechts-Stricken mit hauchzartem Faden irgendwann aus lauter Langeweile und Nebenher-Gestricke vergaß wo ich war und es mit den Maschen-Zunahmen nicht mehr so genau nahm. Am Ende hatte ich einen wurstig sitzenden Pullunder und einen Ärmelsack, der irgendwie, irgendwo, irgendwann so breit und unförmig geworden war, dass Ärmel Nr. zwei erst gar nicht den Weg auf die Nadeln fand.

Blauer Strickpulli_unfertig

2. Das lange, lange kurze Braune

Ja, ist es nicht hübsch? Dieses kurze Braune mit dem raffiniert verschlungenen Vorderteil? Fand ich auch. Das war vor, mmh, vier Jahren. Da erschien das Rebecca-Heft 44, aus dem dieses, wie auch die anderen schönen Modelle stammen.

Braunes Strickkleid

Wieder diese hauchzarte Wolle, wieder glatt rechts gestrickt und diesmal sorgt noch nicht mal ein Zopf für Abwechslung. Millimeter um Millimeter wuchs das lange, lange kurze Kleid – Winter für Winter, immer dann, wenn mich das schlechte Gewissen wieder heimsuchte.

Braunes Strickkleid_unfertig3

Mittlerweile ist das Hinterteil fertig und das Vorderteil fast. Aber weitergestrickt habe ich schon seit dem letzten Winter nicht mehr. Es graut mir vor dem laaaangsamen Millimeter-Wachstum. Davor, dass ich gar nicht mehr weiß, an welcher Stelle im Strickmuster ich steckenstehengeblieben war. Davor, dass noch zwei laaaange Kurzärmel fehlen. Es graut mir vor ewig langen ungenähten Nähten. Und davor, dass es am Ende dann so sitzt wie der verbockte Rock …

3. Der Verbockte Rock

Der verbockte Rock ist immerhin fertiggeworden. Hat auch gar nicht so lange gedauert und sieht doch super aus, oder nicht?

Grüner Strickrock

Ja, in der Zeitschrift schon. Und auf dem (Vintage! Shabby!) Parkettboden auch. An mir aber nicht. Da verwandelt sich der Rock in einen Hinternwärmer …

Grüner Strickrock4

… in dem ich mich selbst dann wie eine alberne Heldin in Strumpfhosen fühle, wenn ich nur incognito vor dem Schlafzimmerschrank posiere. Robin Hood hätte dieses wollige Etwas sicherlich mit Würde getragen. Ich selbst, mmh: nein.

Grüner Strickrock3

Grüner Strickrock2

So und jetzt seid ihr dran: welche unfertigen oder gescheiterten Strickwerke habt ihr im Körbchen? Kommt schon, traut euch!

 

Pränataler Nestnähtrieb

Schwangere Frauen entwickeln ja angeblich einen Nestbautrieb. Vielleicht hatte ich so etwas auch. Vielleicht war es aber auch eher ein Nestnähtrieb. Jedenfalls habe ich die Spätschwangerschaft und vor allem die herrlich arbeitsfreien Frühsommertage im Mutterschutz weniger auf der Couch verbracht, als an der Nähmaschine.

Wie herzig, mögen manche jetzt denken, da hat sie ihren dicken Bauch aufopferungsvoll hinter die Maschine geklemmt, um mit letzten pränatalen Kraftreserven Babys Erstausstattung zu nähen.

Na ja, nicht ganz. Erstens ging es mir selten so gut wie in der Schwangerschaft, weshalb sich die Aufopferung in Grenzen hielt. Und zweitens war eines der ersten Nähprojekte eher für Muttern und nur indirekt fürs Baby gedacht: eine Wickeltasche. Ohne mir eine solche je in natura näher angeschaut zu haben, war ich überzeugt, sie unbedingt zu brauchen und hatte gewisse Ansprüche an das optimale Modell:

– Geräumig soll sie sein

– viele Fächer muss sie haben, für Windeln, für Fläschchen und für nicht-Baby-Dinge natürlich auch

– an den Kinderwagen muss sie sich hängen lassen und einigermaßen wetterfest sein

– ein erwachsener Mensch soll sie tragen können, ohne aufgrund ihrer quietschbunten Tierchenmusterung als Teilnehmer eines Kindergartenausflugs gehalten zu werden

Und nach ein bisschen Rumgestöbere im DIY-Internet war klar: eine abnehmbare Wickelunterlage braucht sie auch. Das optimale Modell konnte also nur die großartige „Willow“ von Lillesol & Pelle sein, da war mein Schnäppchen-Ich sogar bereit, mal Geld für einen Schnitt auszugeben. Und was soll ich sagen (*Werbetrommel*): das E-Book ist großartig! Und wie man sieht, ist das Ergebnis mehr als alltagstauglich:

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Die tollen Stoffe habe ich mir größtenteils auf dem Stoffmarkt Holland erjagt: einen beschichteten Stoff mit schickem geometrischen Muster für die Außenklappe …

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… und rotes Sternchen-Wachstuch für die Innenseite der Klappe, die zugleich als ausroll- und abnehmbare Wickelunterlage dient (per Druckknopf vom Taschenrücken zu lösen und per Klettverschluss am Taschenboden komplett abnehmbar). Gepolstert ist die Klappe, wie auch der gesamte Taschenkörper, mit Volumenvlies. Diesen, wie auch Verschlusslasche, Tragegurt und Innentaschen habe ich aus schlichtem, festen Baumwollstoff in Dunkelblau genäht:

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Und fast das schönste ist innen versteckt: der tolle Designerstoff von Riley Blake (der trifft irgendwie immer meinen Geschmack. Es scheint, sobald ich auf dem Stoffmarkt etwas in die Hand nehme oder im Netz etwas anklicke, das mir besonders gut gefällt, steht am Ende Riley Blake drauf … ).

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Das kleine Reißverschlusstäschchen lässt sich übrigens per Karabiner (recycelt von einem alten Schlüsselhalter) abnehmen:

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Kurz und gut: ein echtes Lieblingsteil eben. Das farblich perfekt  zu einem anderen Lieblingsteil passt.

P. S. Auch andere Nähnerds haben schon tolle Willows gezaubert. Besonders gut gefallen mir z.B. die von Raginmar, Made by Steen, Eva’s Leisure und G.Ute’s.

Hoodie-Journalismus

Was so eine echte Bloggerin sein will, die muss sich ja wenigstens gelegentlich an virtuelle Dresscodes halten. Und angeblich trägt, wer online schreibt, ja vor allem eines: Kapuze. Hier also kommt mein Nachtrag zur Hoodie-Journalismus-Debatte, die vor einigen Monaten durchs Netz kapuzelte.

Nicht, weil ich, was hier geschieht, zwingend Journalismus nennen würden – sondern einfach, weil der gute alte Hoodie halt so bequem ist. Und perfekt, wenn draußen die Herbstwinde einsetzen und das Baby seinen ersten Schnupfen an Mamas Oberbekleidung abrotzen möchte (solltet ihr also Flecken auf dem schönen Blau entdecken, handelt es sich dabei nicht um Materialfehler, sondern um 1-a-Baby-Schnodder).

Hoodie

Überhaupt braucht jeder und jede einfach einen guten alten Schlunzpulli zum drin-Rumlümmeln. Dieses Modell hier erfüllt dieses Bedürfnis perfekt und war nach der Super-Anleitung „Pauline“ von Miou Miou auch ziemlich fix genäht.

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Von vorne wie von hinten ein echtes Lieblingsteil, kuschelig-gemütlich aus Bio-Baumwoll-Sweat und -Jersey von Nelly-Morelly.

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Nun gut, eine Nummer größer könnte er fast sein und die Ärmelbündchen hab ich falsch zugeschnitten, weshalb sie nun je zwei Nähte haben. Stört mich aber eigentlich überhaupt nicht. Und wenn doch, nähe ich mir einfach noch einen – Hoodies gehen immer.

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Habt ihr auch so ein Lieblingsteil? Zeigt her eure Schlunzgemütlichrumgelümmel-Kapuzenpullis!

Vorgeschmack

Galerie

Diese Galerie enthält 6 Fotos.

  Kleine Vorwarnung: meine ersten Blog-Einträge könnten den Eindruck erwecken, dass ich täglich drei DIY-Projekte fertigstelle. Na klar, stimmt doch auch! Stimmt nicht ganz – ich geb bloß gerne ein bisschen mit dem an, was schon lange fertig ist (falls … Weiterlesen